Bodo Hell

Bodo Hell
© Sigrid Landl

Rechterhand bescheidene Ziegenhaltung.

Bodo Hell

Bodo Hell, geboren 1943 in Salzburg, seit August 2024 im Dachsteingebirge verschollen. Studien am Salzburger Mozarteum (Orgel), an der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien (Film und Fernsehen) sowie an der Universität Wien (Philosophie, Germanistik, Geschichte). Er lebte als Dichter, Essayist und Künstler in Wien, im Sommer als Senner auf einer steirischen Alm am Dachstein. Hell war Meister eines Montage-Realismus, der dem Alltag, d. h. dem ganz normalen Wahnsinn, zur Sprache verhilft und so auf äußerst amüsante Weise dem Leser Einblick verschafft in sich selbst und ins Haus, das er bewohnt, ins Tollhaus unserer Gesellschaft.

Hells vielseitiges avantgardistisches Werk umfasst neben Texten auch Fotografien, Filme, Hörspiele, Musikalben und Theaterstücke. Zusammenarbeit mit Friederike Mayröcker, Liesl Ujvary und Hil de Gard. Ausgezeichnet wurde er u. a. mit dem Rauriser Literaturpreis (1972), dem Erich Fried-Preis (1991), dem Berliner Literaturpreis (1998), dem Preis der Stadt Wien (1999), dem Preis der Literaturhäuser (2003) und dem Telekom-Preis Klagenfurt (2006). 2017 erhält er den Christine-Lavant-Preis und den Heimrad-Bäcker-Preis; aus der Begründung der Jury:

»Bodo Hell eröffnet mit seinem Werk ein großartiges Panoptikum – er erkundet die Welt auf der Basis ihrer sprachlichen Aspekte und umgekehrt: sein Werk schafft sprachliche Szenarien, die uns unsere Umwelt neu erfahren lassen.«

2023 erhielt Bodo Hell den Österreichischen Kunstpreis: »Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung – kaum einem Autor gelingt es, diese Qualitäten derart artistisch miteinander zu verknüpfen.« und 2024 wird ihm der Literaturpreis des Landes Steiermark zuerkannt.

»Bodo Hell nähert sich mit ironisch-enzyklopädischem Anspruch der Welt. (…) Literatur, die im Gegensatz zu den verbiesterten Formen des poetischen Experiments höchst lebendig und weltbejahend ist.« (Paul Jandl, NZZ)

»Bodo Hell hinterkässt ein vielgestaltiges Werk, das beweist, dass Arbeit an der Sprache Arbeit an der Welt ist. Es wird bleiben.« (Katja Gasser, ORF)

»Bodo Hell war ein Original, das die Partikel der Welt zu funkelnden Texten verarbeitete. (…) Man kannte diesen originellen Kopf nie anders als strahlend, der Welt und ihren tausend Geheimnissen zugewandt.« (Ronald Pohl, Der Standard)

»Bodo Hell ist einer der innovativsten österreichischen Schriftsteller. Mit einer Neugier, die nicht zu bändigen ist. Und mit einer Formensprache, die keine Einschränkungen kennt.« (Klaus Kastberger, Jury Literaturpreis des Landes Steiermark)

»Leben, das hieß für Bodo Hell emphatisches Denken und Wahrnehmen, umfasste aber auch die vielen Diskurse, die uns umschwirren, politischer, sozialer, kultureller Art. So versuchte er in seinen Texten die Machtstrukturen zu reflektieren, die in diese Sprachen eingelagert sind, nicht indem er Thesen aufstellte, sondern indem er ein poetisches Sprechen jenseits von Herrschaftsgesten und dem Drang nach Eindeutigkeit entwarf. Ein Schreiben der Mäander und Nebenpfade, das gleichwohl die Kraft der Wörter zeigte.« (Nico Bleutge, Deutschlandradio)

»Was von Bodo Hell bleibt, ist vielleicht das: ein Autor, der nie zwischen Leben und Arbeit getrennt hat, ein Schriftsteller, der dem Schreiben die Welt unterordnete und nicht umgekehrt und ein Mensch, der lieber einem Ziegenbock nachstieg als einem Literaturpreis.« (ZEIT-Podcast »Servus Grüezi Hallo«)

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