Clara Henssen
Irgendwann ist Jetzt. Roman
232 Seiten, ET 26. Februar 2027
Claras jüdische Großfamilie ist alarmiert. Es hat sich unter den weit verstreuten Familienmitgliedern herumgesprochen, dass sie einen Roman über ihre Herkunft schreiben und dabei, jenseits von Familiengeheimnissen und Anekdoten, die »wahre Geschichte« herausfinden will. Doch vorerst ist Clara noch auf der Suche nach einem ersten Satz. Ablenkung von der weißen Seite findet sie in einer leichten Sommer-Affaire, die sie dann doch mehr beschäftigt als gewollt. Leichthändig umkreist Clara Henssen in ihrem tragikomischen autofiktionalen Roman ein schweres Thema; mit viel Witz und (Selbst)Ironie stellt sie sich den Schatten der Vergangenheit und den Geistern der eigenen Ansprüche, bis die leeren Seiten gefüllt sind.
Clara Henssen, geboren 1987 in Düsseldorf, lebt in Berlin und Oxford.
Tine Høeg
Ultramarin. Roman
Aus dem Dänischen von Gerd und Ingrid Weinreich
336 Seiten, ET 26. Februar 2027
Dagny ist bildende Künstlerin und Mutter einer kleinen Tochter. Als sie einen Auftrag für die künstlerische Gestaltung im GAIA-Museum erhält, kann sie es nicht erwarten, die Tochter in die Kinderkrippe zu bringen. Der Wunsch nach Freiraum für die Kunst und die schmerzvolle Abnabelung von der Tochter versetzen sie in einen emotional überreizten Zustand, der noch verstärkt wird durch die Erinnerung an verdrängte Gefühle und verwirrende übernatürliche Ereignisse.
In radikaler Offenheit und emotionaler Intensität erzählt Tine Hoeg von existenziellen Themen – von Liebe und Begehren, von Mutterschaft und von dem Wunsch nach Verwirklichung als Künstlerin. Traum und Wirklichkeit, Wissenschaft und Metaphysik – Tine Hoeg zeichnet eine spannende und dichte Atmosphäre mit poetischer Leichtigkeit, über die Kraft der Kunst und über Dinge, die man nicht erklären kann.
Ultramarin stand nach seinem Erscheinen 6 Monate lang auf der Bestsellerliste in Dänemark.
Tine Høeg, geboren 1985, lebt in Kopenhagen.
Bernhard Strobel
Ein besserer Tag. Erzählungen
160 Seiten, ET 26. Februar 2027
Die titelgebende Erzählung Ein besserer Tag legt es nahe – nicht alle Tage sind schlecht. Aber eben nie wirklich gut: Bernhard Strobel hat die Fähigkeit, in sparsamen Sätzen die Situationen und Gefühlszustände seiner Figuren lapidar und eindringlich zugleich darzulegen. Es sind präzise Beobachtungen von vermeintlich alltäglichen, fast banalen Szenen, die seine Protagonisten irritieren und durch scheinbare Nichtigkeiten aus der Fassung bringen. Oft sind es Paare oder Kleinfamilien in Alltags-, manchmal auch überforderte Helden in Ausnahmesituationen, deren Sprachlosigkeit und Ohnmacht Missverständnisse generieren, die sich wiederum ins Groteske steigern können. Bernhard Strobel ist ein Meister des minimalistisch Ausschweifenden: Die subtilen Pointen am Schluss verdeutlichen es einmal mehr: beredtes Schweigen erzählt, was nicht gesagt wird. Ein Meister der Kurzgeschichte.
Bernhard Strobel, geboren 1982 in Wien, lebt als Autor und Übersetzer aus dem Norwegischen im Burgenland.
Volha Hapeyeva
Elilenti. Gedichte
136 Seiten, ET 26. Februar 2027
Volha Hapeyevas erster auf Deutsch verfasster Gedichtband trägt den Titel Elilenti (althochdeutsch u. a. »ausgewandert«). Die gebürtige Belarusin erweist sich auch im Deutschen als Sprachvirtuosin, sie kreiert verspielte Neuschöpfungen und nähert sich mit Witz und Einfühlungsvermögen ihren facettenreichen Sujets, ob in wenigen Zeilen oder Langgedichten. Neben wolkenzarten oder verschmitzt ums Eck kommenden Versen beherrscht Volha Hapeyeva auch die schweren Töne und schreibt mit einer Leichtigkeit über Melancholie, Einsamkeit und Entfremdung.
Mascha Jacobs
Shoot the Moon. Grazer Vorlesungen zur Kunst des Schreibens
ca. 120 Seiten, ET März 2027
»Poetikvorlesungen sind ein Höllengenre« zitiert Mascha Jacobs Judith Schalansky, um sich dann mit Wonne in sämtliche Poetikvorlesungen zu stürzen, die für sie gespickt sind mit »neuen Spuren und Fährten« zu weiteren Büchern, die wiederum Lust auf weitere Bücher machen: eine Kettenbewegung also, deren größtes Problem die Auswahl ist. So will sie es also bei ihrem Nachdenken über die Kunst des Schreibens halten wie in ihrem Podcast DEAR READER, in dem sie Gespräche mit AutorInnen über ihre Lieblingsbücher führt: es dürfen nur zwei sein. Dabei bleibt es natürlich nicht. Wir begleiten Mascha Jacobs bei ihrem »Making of a Poetikvorlesung«: Um das unersättliche Lesen soll es gehen, um die Wechselwirkung zwischen fremden Texten und dem eigenen Schreiben, und auch um das, »was sonst noch so alles passiert.«
Mascha Jacobs, geboren 1978, lebt in Berlin und betreibt ein Literatur-Podcast.
Katrin Hillgruber
Gedankenspiele über das Zuspätkommen
48 Seiten, ET März 2027
Zuspätkommen definiert sich als negative Abweichung von der Pünktlichkeit. Seine Vermeidung ist eine ständige Herausforderung, sobald Pläne gemacht, Reisen unternommen und Verabredungen getroffen werden. Aber es kann auch existenzieller Natur sein und für verpasste Augenblicke, Chancen und Lebensentwürfe stehen – und damit in die Literatur verweisen, die erstaunlich reich an Verspätungs-Texten ist, vom eiligen weißen Kaninchen mit Taschenuhr aus Lewis Carrolls Alice im Wunderland bis zum retardierenden Moment. Ergänzt durch journalistische Anekdoten im Zeichen der Deadline, widmet sich dieses Gedankenspiel den Abgründen und poetischen Aspekten eines Alltagsphänomens.
Katrin Hillgruber, geboren 1965 in München, wo sie auch lebt.
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