Herbst 2026

Wilhelm Hengstler
Zulm. Roman
496 Seiten, ET 21. August 2026

Zulm, das Opus magnum, an dem Wilhelm Hengstler schon vor 20 Jahren zu arbeiten begann, ist sein opulenter und an Phantasie überbordender großer Indien-Roman, der den Erzähler einem dubiosen Auftrag folgend von Wien ausgehend kreuz und quer durch Indien führt. Es ist ein an Charakteren, Ereignissen und Geschichten reiches Werk, das in verzweigten Erzählebenen und verschachtelten Handlungssträngen Fiktionen mit historischen Ereignissen vermischt und dabei mit überraschenden Wendungen die erwartbaren Pfade verlässt. Dass Wilhelm Hengstler auch Filmemacher ist, lässt sich hier nicht verbergen. Es sind starke Bilder und Dialoge, die die Handlung vorantreiben. Virtuos verknüpft er Reise- und Abenteuerroman mit einer Krimihandlung, die mehr Rätsel aufgibt als löst, mit den Abenteuern im Kopf.

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Robert Menasse
Der 11. September. Überblendungen
Mit einem Nachwort von Ewout van der Knaap
80 Seiten, ET 21. August 2026

25 Jahre „9/11“: Wie eine kollektive Erschütterung auf subjektiver und emotionaler Ebene erinnert wird, analysiert Robert Menasse in einem Essay und einer Erzählung.
»Menasses Reflexionen über den 11. September führen zu der Frage, wie heiter der Himmel wirklich war, als Ungeheures wie aus heiterem Himmel geschah, und was wir im strahlenden Licht sehen können, ohne sogar noch in der Erinnerung im Schutzreflex zu blinzeln.« (Ewout van der Knaap)

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Kari Hukkila
Tausend und eins. Roman
Aus dem Finnischen übersetzt von Maximilian Murmann
208 Seiten, ET 21. August 2026

Tausend und eins beschreibt eine Zeit aus den Fugen, in der politische, ökologische und gesellschaftliche Katastrophen eine Spaltung der Gesellschaft vorantreiben. Ein »Ruck«, der das geistige Klima zu verändern scheint. Es gibt keine Garantie, dass das Erzählen von Geschichten, auch nicht von Tausend und einer, das Überleben sichern, und auch das (philosophische) Denken nicht. Während gerade die isländische Aschewolke über Europa schwebt, beschäftigt sich der Ich-Erzähler in seiner Lektüre mit Naturkatstrophen und historischen Ereignissen, die sich immer mehr mit der realen Geschichte eines illegalen Einwanderers in Rom und den Zuständen der heutigen Welt vermischen. Und führt ihn, trotz der Deutungsversuche mithilfe von Wittgenstein, in die eigene Ratlosigkeit, in Anbetracht der »Rucke«, die die Welt beherrschen.

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Jan Wilm
Sachertorte und andere Fiktionen. Erzählungen
176 Seiten, ET 21. August 2026

In 18 Erzählungen verschiedenster Zeiten und Lebenssituationen taucht Jan Wilm in Gefühlszustände ein, stürzt in politische Abgründe und legt Untiefen der Seele offen. Zwischen Flash Fiction und Short Story inszeniert der Band seiltänzerisch ein witzig-ernsthaftes Spiel mit Wahrnehmung und Täuschung, Tragik und Komik, Sprache und Fiktion. Ob skurrile und fantastische oder aber nachdenkliche und melancholische Geschichten – immer führt Jan Wilm virtuos in Erfahrungs- und Gemütszustände seiner Figuren und zeichnet, der Kurzgeschichte im besten Sinne entsprechend, mit wenigen Strichen ein jeweils einzigartiges Lebensuniversum, dessen Wirklichkeit von Traum und Illusion durchdrungen ist – eine Fiktion eben.

Carolina Schutti Copyright Dino Bossini

Carolina Schutti
Relative Ruhe. Eine Annäherung
104 Seiten, ET 2. Oktober 2026

Sattgrüne Wiesen, dichte Wälder, Wanderwege: Was liegt unter dem Gras, auf dem wir gehen? Wessen Geschichte erzählen die wenigen Hinweise und Zeichen, die den beliebten Naherholungsraum als historisch belasteten Ort ausweisen? Eine Stele, die auf den ersten Blick an ein touristisches Hinweisschild erinnert, ist Ausgangspunkt für die tastende Suche eines Ich, das den Spuren nachgeht. Schritt für Schritt begleiten wir das Ich dabei, wie es sich mit Menschheitsverbrechen auseinandersetzt und versucht, aus Erinnerung, Erzählung, historischen Dokumenten und eigenen Beobachtungen ein Bild zusammenzufügen, das der Vergangenheit ebenso gerecht wird wie der Gegenwart.

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Wiebke Porombka
Gedankenspiele über das Tempo
48 Seiten, ET 2. Oktober 2026

Wiebke Porombka zeichnet eine Kulturgeschichte des Tempos in all seinen Spielarten: Von Grimms »Hase und Igel« geht es über Alfred Döblin und Stefan Zweig zu Charly Chaplin und Tom & Jerry hin zum temporeichen Haushalt der 50er Jahre mit der 5-Minuten-Terrine, zu Sport, Verkehr und Städte-
bau, bis zu »Raketen-Fritz« und »Kugelblitz« – und zu der Frage, welches Tempo eine Gesellschaft als »normal« voraussetzt – wobei auch der Essay selbst von Seite zu Seite an Tempo zulegt.

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