Buchcover
William Hazlitt

Vom Vergnügen zu hassen

Zwei Essays
2007
Broschur , 11,5 x 18 cm
88 Seiten
ESSAY 58. Aus dem Englischen übersetzt von Dieter Hornig
ISBN: 9783854207146
€ 12,00

AUTOREN

Textauszug

Die Freude am Hass, einem giftigen Mineral gleich, frisst sich in das Herz der Religion und verwandelt das eine in eine eiternde Milz und die andere in Frömmelei; sie nimmt den Patriotismus zum Vorwand, um Feuer, Pestilenz und Hunger über andere Länder zu bringen; sie belässt von der Tugend nichts anderes als den Geist der Krittelei und eine enge, eifersüchtige und inquisitorische Wachsamkeit für das Tun und die Beweggründe der anderen.Was waren die verschiedenen Sekten, Glaubensbekenntnisse und religiösen Lehren anderes als lauter Vorwände, die von Menschen vorgebracht werden, um sich zu zanken, zu streiten und einander in Stücke zu reißen, ganz so wie man eine Zielscheibe braucht, auf die man schießt? Glaubt etwa jemand, dass die Liebe zum Vaterland bei einem Engländer irgendein freundliches Gefühl einbegreift oder die Neigung, einem anderen zu dienen, der denselben Namen trägt? Nein, sie bedeutet nichts anderes als Hass auf die Franzosen oder auf die Bewohner jedes anderen Landes, mit dem wir fürs erste gerade im Krieg sind. Klingt in der Tugendliebe irgendein Wunsch an, unsere eigenen Fehler zu erkennen und zu bessern? Nein, aber sie sühnt ein hartnäckiges Festhalten an unseren eigenen Lastern durch die heftigste Intoleranz gegenüber den menschlichen Schwächen. Dieses Prinzip kommt schier überall zur Anwendung.

William Hazlitt hat einen für den deutschen Sprachraum noch fast ungehobenen Schatz an Essays hinterlassen, die in ihrer sprachlichen Frische, der Leidenschaftlichkeit ihrer Ansichten und ihrer Vielfalt die ganze Gattung der Essayistik überhaupt erst mitdefiniert haben.

Die Themen, über die Hazlitt in den beiden erstmals übersetzten Essays dieses Bandes fantasiert, sind wohl jedem geläufig: »Vom Vergnügen zu hassen« und »Über den Geldmangel«.

Beiden Zuständen war er in seinem Leben nicht so selten ausgesetzt: obwohl die gesellschaftlichen Details und die Regelwerke des Verhaltens sich doch recht merklich geändert haben, entzücken seine Ausführungen über akuten Geldmangel, hartnäckige Antipathien und aufbrausende Ablehnungen beim Lesen auch noch 200 Jahre nachdem sie geschrieben wurden.

Aber einige Feinheiten unseres Lebens bleiben doch unveränderlich, und Hazlitt weiß darüber Bescheid, z. B.: »Der einzige Weg, sich mit alten Freunden auszusöhnen, ist, sich endgültig von ihnen zu trennen.« Und »dass wir beim Lesen immer die Seite der Gerechtigkeit einnehmen« hat auch etwas Tröstliches, gerade auch, wenn es um die Lektüre dieser Essays geht!

Presse

»Vom Vergnügen zu hassen ist ein Vergnügen zu lesen. Zwei wunderbare Essays, die ihre jeweilige Thematik vielfältig abdecken, die sprachlich zu überzeugen wissen und trotz ihres Alters immer noch aktuell sind.« (Tobias Fauth, literature.de)

»Schon die ersten Sätze ziehen den Leser durch ihre brillante Gedankenführung, bestrickende Beredsamkeit und überwältigenden Witz so in ihren Bann, dass man beide Essays in einem Zuge durchliest.« (Olaf Schmidt, Kreuzer)

»Es ist hart, ohne Geld dazustehen. Mit diesem schwer widerlegbaren Postulat beginnt der Essay Über den Geldmangel, in dem Hazlitt alltagspsychologische Überlegungen über die Armut anstellt, die nichts von ihrer Gültigkeit verloren haben.« (Stefania Sabin, NZZ)

Der Autor gilt als »Chef-Kritiker der britischen Romantik (…). In seinen Leidenschaften ist Hazlitt Romantiker, im Stil seiner immer in persönlichem Tonfall geschriebenen Essays jedoch realistisch und rational.« (Daniel Dubbe, WDR3)

»Hazlitt hinterließ ein Werk, das im deutschen Sprachraum noch weitgehend unbekannt ist, allerdings Köstlichkeiten birgt, die zu entdecken das pure Vergnügen ist.« (Schnüss. Bonner Stadtmagazin)

»Hazlitt, der selbst oft an Geldmangel litt, beschreibt protopsychologisch und mit großer Eleganz die Auswirkungen von Hunger und mangelnder Hygiene auf das Gemüt des allzu tief gesunkenen Intelligenzlers.« (Thomas Raab, Springerin)

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