Gerhard Rühms »rituelle rezitation« MASOCH kreist um den Schriftsteller Leopold von Sacher-Masoch, nach dem 1890, noch zu seinen Lebzeiten, der sexualpathologische Terminus ›Masochismus‹ geprägt wurde, der dann das gesamte Werk des Autors überschattete und in Misskredit brachte. Anhand biografischer Schlaglichter entwirft Rühm eine Art anekdotisches Psychogramm des Autors und seiner Beziehung zu seiner Frau Wanda. Als parallele Gegenfigur tritt die Gestalt des Ignatius von Loyola auf, in der sich der innere Zwang zur totalen Unterwerfung unter eine fixe Idee – des unbedingten religiösen Gehorsams – aus einer scheinbar konträren Motivation manifestiert: die bei Loyola geforderte Selbstbestrafung durch exzessive Geißelung dient vordergründig eher der Abtötung als der Erregung des Fleisches.
Rühm arbeitet einige interessante biografische Parallelen in den Biografien von Sacher-Masoch und Ignatius von Loyola heraus; sie gipfeln, freilich unter verschiedenen Vorzeichen, im sklavischen Verhalten gegenüber der jeweils angebeteten ›Herrin‹. Herrscht bei dem einen die strafend distanzierte ›Venus im Pelz‹ auf Erden, so thront für den anderen die Schutzmantelmadonna im Himmel. Rühms »szenisches sprechoratorium« verbindet Profanes und Sakrales miteinander, montiert bezeichnende Episoden und vertieft sie artifiziell durch Verwendung phonetischen Sprachmaterials und Rhythmisierung: Glossolalie (das automatistische Zungenreden aus dem ›Pfingstwunder‹) und Anagramme sind die den beiden Protagonisten zugeordneten Techniken.
»Ein sehr guter Text, auch schon beim Lesen, er würde viele Theater aufwecken können.« (Richard Reichensperger, Der Standard)
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