AUTORENPORTRAIT
LITERATURVERLAG DROSCHL




copyright Isolde Ohlbaum
Gerhard Rühm

Gerhard Rühm, geboren 1930 in Wien, zählt als Gründungsmitglied und Anthologe der „Wiener Gruppe“ zu den Klassikern der modernen österreichischen Literatur. Seine Werke sind durchwegs synästhetisch; sie operieren an den Schnittstellen zwischen Bild und Musik, geschriebener und gesprochener Sprache (insbesondere Wiener Dialekt) und nehmen demgemäß viele verschiedene Formen an oder sind intermedial orientiert.

Rühm studierte an der Staatsakademie in Wien Musik und Komposition, widmete sich danach im Rahmen der Wiener Gruppe der Lautdichtung. Neben längeren Aufenthalten in Berlin und Köln, wo er auch noch heute lebt, hatte er eine Professur an der Staatlichen Hochschule für bildende Kunst in Hamburg inne. Rühm erhielt erhielt zahlreiche Preise, darunter 1991 den Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur.

Bei Droschl sind erschienen: Sämtliche Wiener Dialektgedichte (1994), schwellenchronik der jahrtausendwende (2001), masoch. eine rituelle rezitation (2003), Was verschweigt die schwarze Witwe? Schrift-, Sprech- und Bildanagramme (2004).

Lesen sie mehr zu Gerhard Rühm im ebenfalls bei Droschl erschienenen DOSSIER 15: Gerhard Rühm (1999).



Was verschweigt die schwarze Witwe?

Schrift-, Sprech- und Bildanagramme


Erstausgabe 2004, 81 Seiten, ISBN 3-85420-655-0, € 12

Als Anagramm im strengen Sinn bezeichnet man die Umstellung der Buchstaben einer kurzen Textvorlage, meist eines Satzes, zu einer neuen Wortfolge, wobei kein Buchstabe fehlen oder überzählig sein darf. Gerhard Rühm stellt diesen visuell geprägten „leseanagrammen“ spezifisch auditive „sprechanagramme“ an die Seite, schlagzeilen und sprichwörter;. auf einer weiteren Ebene entwickelt er „bildanagramme“, die auf fotografischen Vorlagen beruhen.

„Wie in zahlreichen Büchern geht es auch in Was verschweigt die schwarze Witwe? um Schwarzhumoriges, Frivoles, die kleinen und großen Perversionen, die – zwischen Buchstaben versteckt – den Bodensatz alles Kreativen darstellen.“ (Erich Klein, FALTER)

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MASOCH

eine rituelle rezitation


Erstausgabe 2003, 91 Seiten, ISBN 3-85420-636-6, € 25

Gerhard Rühm entwirft in dieser Partitur eines szenischen Sprechoratoriums ein anekdotisches Psychogramm des österreichischen Schriftstellers Leopold von Sacher-Masoch, stellt ihm die Gestalt Ignatius vom Loyola gegenüber und schlägt so die Brücke vom Masochismus zum religiösen Fanatismus, vom Kniefall vor irdischer Lust zum himmelstrebenden religiösen Gehorsam. Er verwendet dabei rhythmisiertes phonetisches Sprachmaterial, Glossolalie und Anagramme.

„Ein sehr guter Text, auch schon beim Lesen, er würde viele Theater aufwecken können.“ (Richard Reichensperger, DER STANDARD)

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schwellenchronik der jahrtausendwende

mit randglossen zur angelologie


Erstausgabe 2001, 106 Seiten, ISBN 3-85420-588-0, € 22

Dieses Auftragswerk für den steirischen herbst 2001 greift sechs signifikante Zeitungsmeldungen vor und nach Silvester 2000 auf, um sie mit musikalischen Mitteln zu transformieren und zu rhythmisieren. Es handelt sich um ein konzertantes Sprechstück, das die politische und mediale Industrie rund um die Jahrtausendwende ironisieren und die damit verbundenen Veränderungsideologien als Fiktion entlarven soll. Zu diesem Zweck wird als ebenso irrationales Kontrastprogramm die „Angeologie“ die Engelskunde, eingeführt.

„Mit System [...] repliziert Rühm auf ein System – die kontingente Jahreszählung der westlichen Kultur – und auf den methodischen Wahnsinn, welchen das ominöse Jahr 2000 ausgelöst hat. Wo die einen den drohenden Weltuntergang orakelten, gaben sich andere dem „Year 2 K“ spektakelnd hin. Gerhard Rühm setzt dagegen eine leise insistierende Alltagsmelodie.“ (NZZ)

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Sämtliche Wiener Dialektdichtungen


Erstausgabe 1993, 236 Seiten, ISBN 3-85420-344-6, € 34, Buch & CD

Dieses Buch versammelt vornehmlich Dialektgedichte aus den 50er Jahren (zusätzliche einige „Nachzügler“ aus den 80er und 90er Jahren) und wird von einer CD begleitet, auf der der Autor sie neben 20 wiener liedern selbst vorträgt.

„Alles in allem: ein Klassiker!“ (Wolfgang Straub, Lesezirkel/WIENER ZEITUNG)

„Die Interpretationen des Autors machen eine atmosphärisch ausgeprägte Poesiewelt zugänglich, die das Wiener Lokalkolorit aufnimmt und zugleich unterwandert.“ (Marianne Zelger-Vogt, NZZ)

„...ein wunderbares Buch“ (Herbert Wimmer, FALTER)

„Gerhard Rühm hat unter den Autoren der „Wiener Gruppe“ wohl mit größter Radikalität und zugleich Breite die Möglichkeiten der Dialektdichtung exploriert, die nicht mehr auf Idylle und herzige Selbstzufriedenheit zielen, sondern mit allen Wassern der Avantgarde des 20. Jahrhunderts gewaschen sein sollte.“ (Jörg Drews, SZ)

„Der Band in schlichtem Schwarz ist einfach ungetrübte Freude der Wiederbegegnung und Neuentdeckung, spiegelt den grimmig-makabren Humor, die phonetische Phantasie und Musikalität, die anarchische und dennoch ungemein disziplinierte Sprachlust des großen Poeten.“ (OBERÖSTERREICHISCHE NACHRICHTEN)

„Vor Jahren mussten Alfred Schmeller und Heimito von Doderer sich noch für die neue Mundartdichtung einsetzen ; heute ist klar, wie viel Wien und seine Sprache Gerhard Rühm verdankt.“ (Jörg Drews, BASLER ZEITUNG)

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Stand vom 10. 9. 2004