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Iris Hanika
Treffen sich zwei
Roman
2008

Textauszug:

Als nächstes hob sich seine Hand und kam langsam zu ihr herüber. Sie sah sie kommen, begriff aber nicht, was das bedeutete, bis seine Hand an ihrem Kopf lag und ihn von hinten hielt; erst ganz ruhig. Dann spürte sie, wie seine Finger sich einmal auseinanderspreizten und wieder zueinanderfuhren. Das war wie ein Streicheln. Sie tat gar nichts. Sie ließ das geschehen und schaute dabei immer weiter in seine Augen.
Als seine Hand nicht mehr an ihrem Kopf, sondern wieder auf dem Tisch lag, fehlte sie ihr sofort so sehr, daß es fast wehtat. Sofort wünschte sie sich nichts anderes, als daß seine Hand an ihrem Kopf läge oder sonstwo. Sonstwo hätte sie besser gefunden, denn mittler­weile richtete all ihr Sehnen sich darauf, daß ihre beiden Körper sich irgendwo, an irgendeiner Stelle, und sei es auch die unspektaku­lärste, berührten. Andererseits hätte sie keine Stelle an ihrem Körper mehr gewußt, die in Bezug auf die Berührung durch egal welchen Teil seines Körpers unspektakulär gewesen wäre. Vielmehr war jetzt jede Stelle so spektakulär wie dieser Blick, in dem sie schon ertrunken war und in dem sie ineinander verklettet blieben, bis dies­mal er ihn nicht mehr aushielt, sondern ihn senkte, um in sein Bierglas hineinzuschauen. Das entsetzte Senta unaussprechlich. Ihr war, als hätte er sie schon wieder verlassen, dabei hatte sie ihn doch gerade erst gefunden!


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