Literaturverlag Droschl
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Thomas Stangl
Ihre Musik
Roman
2006

Textauszug:

Jede Annäherung (so unvermittelt sie erscheinen mag) hat etwas von einem Wiedererkennen und zugleich von einem immerfort Verlieren. Ich habe einmal nah an dem versteckten, nur zu besonderen Gelegenheiten wiederzufindenden Platz in der Leopoldstadt, zwischen Karmeliterviertel, Praterstraße und Donaukanal gewohnt, wahrscheinlich nur für wenige Tage (oder Nächte), in einem hohen, alten, halb in den Berg hineingebauten Haus, das zum Großteil leer stand, in einem der obersten Stockwerke; wenn ich (anstatt den Aufzug zu benützen) die Treppen hinablief, konnte ich durch die Spalte der bloß angelehnten Türen ins Innere der verlassenen Wohnungen schauen, nur einen unbestimmten Lichtschein auf den Parkettböden ausmachen, mir die Wege durch die Zimmerfluchten und die wenigen zurückgebliebenen Einrichtungsgegenstände (oder sind es nur alte Schuhe, vergilbte Bücher, rostige Pfannen und Spiegel, zerfledderte Fotoalben, sind es nur die weißen Stellen an den Wänden, wo Bilder hingen, die helleren Stellen an den Parketten, wo Möbel standen) vorstellen; ohne daß ich aber je wußte, ob sich nicht doch noch Bewohner hier versteckt halten und das Wort oder gleich eine Waffe gegen mich richten konnten.


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