AUTORENPORTRAIT
LITERATURVERLAG DROSCHL




© Markus Rössle
Rosa Pock

Wie läßt sich schreiben über die Schwierigkeit zu sein, ohne den Tonfall – ob leicht oder schwierig – zu verfehlen, der die eigene Erfahrung mit Sprache und Wirklichkeit, mit der Schwierigkeit zu sein und der Schwierigkeit zu sprechen, wiedergibt?
Rosa Pock hat einen Weg gefunden, nicht nur die Grammatik zu relativieren, sondern unsere Vorstellungen von der Hierarchie des Universums. Alles ist gleichzeitig traurig und witzig, einfach und kompliziert, konventionell und überraschend.

»Die Autorin nimmt es genau mit der Sprache, sie dreht und wendet die Worte, zerhackt die Syntax und beweist Sinn für Humor. Sie hat sich eine eigene Sprache angeeignet, die die Welt von ihrem Gewicht befreit und ihr gleich – wie sollte es auch anders sein – neue Gewichte anhängt.« (Anton Thuswaldner)

Rosa Pock, geboren 1949 in Wagna (in der Südsteiermark), studierte Philosophie in Salzburg, war von 1972 bis zu seinem Tod (2000) mit H. C. Artmann verheiratet und lebt heute in Wien. Forum Stadtpark Literaturpreis 1996, Italo Svevo Preis 2005.




    Eine kleine Familie

August 2004, 160 Seiten, ISBN 3-85-420-660-7, € 19.-

Die Familie, gar noch die kleine Familie: daraus ließe sich gut eine dramatische Geschichte machen, eine Tragödie gar – aber auch eine Komödie, eine daily soap. Wer kann, schafft beides in einem.
Das Personal klingt bekannt: der philosophierende Vater nicht unglücklich arbeitslos, die Mutter Köchin und Fachfrau für Drei-Tages-Diäten, die Tante Spezialistin für romantische Herzensangelegenheiten, und die beste Freundin ist Halbtürkin.
Rosa Pock spielt ein wenig mit dem Retro-Charme dieses Genres, ohne sich aber parodistisch darüber lustig zu machen. Im Gegenteil, der Schwebezustand dieser Erzählung – zwischen TV-Dramaturgie und Jugendbuch, zwischen Fortsetzungsserie und realistischer Rollenprosa – nimmt ihre Personen als Existenzentwürfe ernst. Die Gedanken zur Lage, die die namenlose Schreiberin äußert, sind seltsame kleine Auswüchse der Meinungskultur: mit beflissener Ernsthaftigkeit notiert die Schreiberin die täglich anfallenden Sorgen, die vom Gelingen eines Menüs bis zur Frage der EU-Tauglichkeit der Türkei reichen und im Grunde immer nur die Frage nach dem Gelingen eines glücklichen Lebens für sich und die »kleine Familie« stellen.

»Eine bezaubernde Gegenwelt« (Anita Pollak, Kurier)
»Und was da alles an Kleinigkeiten und Grossigkeiten abläuft: das ist von einer zauberhaften Sicherheit und wunderbaren Stimmigkeit. Es ist herzanrührend und lustig und mir hat es so gut gefallen, dass ich es Ihnen auch empfehlen möchte. Gehen Sie also morgen zum Buchhändler Ihres Vertrauens und kaufen Sie 10 Bände davon und die anderen 9 verschenken Sie Ihren besten Freunden.« (Urs Widmer im Literaturclub, Schweizer Fernsehen)
»Rosa Pock zaubert aus dem alltäglichen Szenario etwas Besonderes. Mit ihrem virtuosen Sprachgefühl und einem feinen Gespür für Nuancen. (…) Es macht Spaß, das Buch zu lesen« (Brigitte)
»Das Portrait einer glücklichen und reichlich skurrilen Familie.« (Evelyne Polt-Heinzl, Wiener Zeitung)
»Die Leichtigkeit dieser Prosa vermittelt auch eine gewisse Leichtigkeit des Seins.« (ORF, ex libris)
»Rosa Pock lässt die Welt durch die Augen eines Kindes filtrieren, und zeigt dadurch Teile einer absurden Gesellschaft.« (Antonell Cerullo, Literaturhaus Wien)
»Der Alltag heiter betrachtet … ein leichter, charmanter Text.« (Neues Deutschland)

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    die hundekette mein eigenes revier

2000, 88 Seiten, ISBN 3-85-420-537-6, € 15,50-

Miniaturen aus unserer Gefühls-, Denk- und Sprach-Enzyklopädie, von ›Ahorn‹ bis ›Zweifel‹, und gleichzeitig die Erfindung einer erfrischenden neuen poetischen Gattung zwischen Stilleben und Sentenz.
79 poetische Eintragungen in einer möglichen Enzyklopädie wichtiger Begriffe, 79 Perlen einer Gedicht-Kette: Rosa Pocks Sprach- und Selbstbefragung setzt sich auch in diesem neuen Buch konsequent zwischen die Sessel von lebenspraktischer Philosophie und schöner Literatur. Quer durch das Alphabet generiert die Pock'sche »Sprechmaschine« zu ausgesuchten Überschriften merkwürdige kurze Texte, die, so vertraut sie auch aussehen mögen, ganz fremd in der zeitgenössischen Literatur stehen.

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    Ein Halbjahr aus dem Leben einer Infantin

1995, 95 Seiten, ISBN 3-85-420-413-2, € 15,50-

Die Infantin, Prinzessin und doch sprachlos, deren Leben gewissermaßen als Kondensat uns vor Augen geführt wird, ist die Heldin eines auf seine Prinzipien reduzierten Lebens- und Liebesromans. Mit unnachahmlichem Eigen-Sinn entfaltet die Autorin Anfang, Schwierigkeit und Erfüllung einer Liebesgeschichte, die sich aber naturgemäß nicht ausgehen kann. Was sich hingegen sehr wohl ausgehen muß, ist das Sprechen, über dessen Bedingungen und Gefährdungen Rosa Pock wie wenige Bescheid weiß. So lautet denn auch die letzte Eintragung dieses Halbjahres:

Während das Sprachlose sein stilles Schwert gegen mich richtet, erzählt man mir von einer Dame, die von sich sagt: die Aufgabe jeder Sprechmaschine ist es zu sprechen.

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    Monolog braucht Bühne

1993, 43 Seiten, ISBN 3-85420-346-2, € 11,50-

Das Private wie das Allgemeine ist in diesen 39 kleinen Arbeiten mit Schamhaftigkeit, Witz und Eigensinn in stark rhythmisierte Prosa verwandelt. Hier ein Ausschnitt:

Wenn Sekt, dann Champagner, so meine Freundin. Geruch von Wirtshaus mich begleitet und mir will scheinen, jeder kennt jeden und nur ich Fremder unter Freunden und Emigrant in eigener Heimat. Und Dezi sind angesagt als Maßbecher zur Vorgabe der Qualität von Wein, der nun genossen werden soll teuer. Hut auf noch macht keinen Indianer, wenn er nimmt Theke als Hinterland für Eroberung und Ziel nicht mehr fern, zu schießen daneben mit Bravour. Zuckerdose wirft geformtes Blatt als Schatten an Wand und gibt Illusion, daß Gegenstand sich anpaßt an Form bestimmt bei Entkommen nicht gefragt, und auch eigener Wunsch zur Anpassung sich auftut wie Zuckerdose an Wand. Geld ausgeben um sich machen Freud bei Kauf von Kleid, denn bei außen hui und innen pfui Trug jederzeit gegeben, daß auch innen hui. Wer nicht liebt, der glüht und verdammt Zufall, der nicht gekommen, zu machen frei Herz von Qual.

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Stand vom 26. 4. 2006