NEUERSCHEINUNGEN
LITERATURVERLAG DROSCHL



Ángel Vázquez
Das Hundeleben der Juanita Narboni
Roman

»Der Roman einer Stadt: Tanger. Der Roman einer Frau: Juanita Narboni. Ein vitaler Monolog über ein halbes Jahrhundert. Ein literarisches Meisterwerk – 30 Jahre nach dem Original endlich auf Deutsch.« (Begründung der Jury SWR-Bestenliste)

Eine gnadenlose Beschwörung der verlorenen Zeit – und eines der großen Frauenportraits des 20. Jahrhunderts.

»Die einst „Internationale Stadt“ Tanger, an der Nordküste Afrikas gegenüber Gibraltar gelegen, war bis zu ihrer Eingliederung in das Königreich Marokko ein heißes Pflaster für Flüchtige und Gestrandete aus aller Welt. Der in ihr geborene Ángel Vázquez hat ihr in der Monolog-Suada Das Hundeleben der Juanita Narboni ein Denkmal der Erinnerung gesetzt.« (Wolfram Schütte)

»Ein packendes, ein großartiges Buch« (Florian Borchmeyer)

»Wer an der Herstellung von Wirklichkeit durch Literatur interessiert ist, muss diesen Roman lesen. Ich ziehe meinen Hut vor diesem Buch (Roger Willemsen) »und ich schließe mich dem an. (…) Das ist ein Buch voller Begehren, eine Orgie von Bildern, eine hochinteressante Lektüre, mich einzufühlen in solch ein Wesen« (Hardy Ruoss), »unglaublich schön, brillant gemacht.« (Corina Caduff)

»Daß dieser große Roman, in seiner ersten Übersetzung in eine Fremdsprache überhaupt, nun auf deutsch vorliegt,
ist ein Privileg, das gar nicht hoch genug geschätzt werden kann.« (FAZ)

»Vázquez' Vorbilder sind in der großen europäischen Moderne zu suchen: Proust, Céline, Joyce.« (Virginia Trueba)

»Eine unbedingt lesenswerte Entdeckung!« (Deutschlandradio)

»Ein großes Buch!« (Martin Lüdke, Focus)

»Ein Werk der klassischen Moderne … Juanita ist die Stimme einer multikulturellen Stadt, nämlich Tanger in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert.« (Ursula März)

»Wie sich da in seitenlangen derben Suaden langsam sehr feine Gefühlsregungen offenbaren, das ist ganz große Klasse.« (Sebastian Fasthuber, Falter)

»Der Roman ist das vollkommene Portrait einer Stadt und einer Frau (…) ein vergessener Schatz der spanischen Literatur.« (Manuel Gogos, Tagesspiegel)

»Alles was sie ist, macht, denkt, fühlt, teilt sie uns mit, in einem unendlichen, nie versiegenden Sprachstrom. Darin schwimmt alles und nichts, das Bedeutende neben dem Nichtigen, Krieg, Besatzung und Besitzerwechsel, Verfolgung und Tod neben Ballschuhen, Gerüchten, Kochrezepten und dem heiss begehrten ›Perlmutt-Nagellack in Carpe-Rosa‹.« (Martin Ebel, Tages-Anzeiger)

»Weltliteratur, keine Frage.« (Anton Thuswaldner, Salzburger Nachrichten)




Die einzige Stimme dieses außergewöhnlichen Romans gehört Juanita Narboni: englischer Pass (da in Gibraltar geboren), italienischer Familienname, jedoch Andalusierin wie ihre Mutter – eine Figur, hinter der unschwer die Mutter des Autors zu erkennen ist. Sie beschreibt den fortschreitenden Niedergang ihres Lebens, den Weg in Einsamkeit und Elend, der zugleich auch der von Tanger ist. Eine Frauenfigur, die zutiefst lächerlich ist, kitschig, erschütternd und berührend, eine Figur von gelegentlicher und außerordentlicher Scharfsichtigkeit, haßerfüllt und dabei voller Liebeserwartungen, voller Fehler und ohne jedes Schuldgefühl. Vázquez organisiert in diesem ›Monolog‹ eine Erzählzeit, die vom 6. Juni 1914 bis in die Anfänge der 60er Jahre reicht, ein halbes Jahrhundert in alltäglichen Momentaufnahmen. Was sich in dem lächerlich-traurigen Leben Juanitas verkörpert, ist gleichzeitig auch das Schicksal einer zu Ende gehenden Kolonialgesellschaft. Juanitas Stimme und Persönlichkeit ist dabei immer von ungebrochener Präsenz, ob sie nun scharfsichtig oder konfus, ob sie von ihrer Kindheit oder von ihrem einsamen Alter, von Hollywood-Filmen oder argentinischen Tangos, ob sie öffentlich oder privat spricht – eine Vitalität, die die Übersetzerin (und Schriftstellerin) Gundi Feyrer beeindruckend ins Deutsche gebracht hat.

Und Juanitas Sprache ist die eigentliche Protagonistin des Romans. Ein getreuer Spiegel der kaleidoskopischen Realität Juanitas, ist ihre Sprache originell, derb, drastisch, durchsetzt mit den vielen Sprachen der Bewohner Tangers, in erster Linie dem Haketía, dem Spanisch der sephardischen Juden Marokkos, denen Vázquez hier ein Denkmal setzt.




Als der ›Tangerino‹ Ángel Vázquez mit einiger Verspätung auf die politischen Ereignisse der marokkanischen Unabhängigkeit reagiert und Mitte der 60er Jahre in die Heimat seines Vaters, nach Spanien, auswandert, dauert es noch zehn Jahre, bis er seinen großen Roman über seine Heimatstadt Tanger fertig hat: Das Hundeleben der Juanita Narboni erscheint 1976 in Barcelona. Heute gilt Vázquez als das vergessene Genie der spanischen Literatur, Juan Goytisolo griff in El País sogar zum Vergleich mit Joyce und Céline – was wohl für das Verhältnis des Autors zu seiner Heimatstadt wie auch seine revolutionäre Verwendung gesprochener Sprache gilt. Der Mythos Tanger geht auf die 1905, 1912 und besonders 1923 erfolgte Teilung der Stadt in – am Ende sieben – internationale Zonen zurück, was den Ort in eine kosmopolitische Stadt verwandelte, in der so gut wie alles florierte: Spekulation, Devisenschmuggel, Waffenhandel, Diplomatie, Spionage, käuflicher Sex; Tanger wurde zum Exil für 50.000 spanische Franco-Flüchtlinge, für viele Juden, die vor den Nazis flüchteten (und nach Hitlers Niederlage auch für viele geflohene Nazis) und für viele Araber und Afrikaner aus den französischen und englischen Kolonien. Denen folgten in den 50er Jahren zahlreiche Künstler, Jane und Paul Bowles, Tennessee Williams, William Burroughs und die Beat Generation, Jean Genet, Francis Bacon und viele andere.
Das Casablanca, dessen berühmtes Porträt Michael Curtiz mit seinem gleichnamigen Film gezeichnet hat, ist in Wirklichkeit Tanger.





© Sanz de Soto

                          


   



Ángel Vázquez, 1929 in Tanger geboren, geht 1965 nach Spanien, wo er 1980 in Madrid stirbt; veröffentlicht zwischen 1955 und 1976 mehrere Erzählungen und drei Romane, für deren ersten er 1962 den angesehenen Planeta-Preis erhält.
Vázquez wächst in traumatisierenden Familienverhältnissen auf (seine Kindheit bringt er in einem Käfig zu, von der Decke des Hutgeschäfts seiner Mutter hängend und dem Klatsch der mehrheitlich sephardischen weiblichen Kundschaft zuhörend), besucht nacheinander das italienische, französische und spanische Kolleg, verschlingt die Bibliotheken der Stadt, geht Gelegenheitsarbeiten nach, ist Sekretär eines ungarischen Holocaust-Überlebenden, Buchhändler in der berühmten Librairie des Colonnes, Zeitungsredakteur.
Vázquez (»der einzige große Schriftsteller, den diese Stadt hervorgebracht hat«) in einem Brief: »Ich bin völlig korrupt. Egoist, ohne Glauben an Gott und ohne jedes Vertrauen in mich selbst. Schwul, Alkoholiker, jedweder Droge zugeneigt, Kleptomane … Jean Genet und Maurice Sachs und ein bißchen Violette Leduc, in Taschenbuchausgabe.«




Ángel Vázquez
Das Hundeleben der Juanita Narboni

Mit einem Vorwort von Juan Goytisolo
Aus dem Spanischen von Gundi Feyrer

376 Seiten
22,5 x 14,5 cm, gebunden mit Lesebändchen
ISBN 3-85420-690-9
€ 25.-

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Stand vom 2. 3. 2006