NEUERSCHEINUNGEN
LITERATURVERLAG DROSCHL



                Thomas Stangl
Der einzige Ort
Roman

Ein halluzinatorischer Roman über die Suche nach Timbuktu zu Beginn des 19. Jahrhunderts, eine glückliche und süchtig machende Lektüre.

»Das Unglaubliche an diesem Buch ist nicht nur die Kühnheit seiner Form, ist nicht nur die immense Intelligenz, mit der dieser Autor arbeitet, es ist eine für mich überhaupt nicht mehr nachvollziehbare Imagination. Ich halte dieses Buch für ein Meisterwerk.« (Roger Willemsen, Literaturclub)

»Ein furioses Debüt« (Olga Martynova, Die Zeit)

»eine der literarischen Entdeckungen der Saison (…) Wer sich auf diese Entdeckungsreise begibt, fühlt sich am Ende reich belohnt.« (Joachim Scholl, Deutschlandradio)

»Es gibt wohl kein schonungsloseres, kein gründlicheres, kein besseres Buch über den verdammten Exotismus als dieses.« (Wieland Freund, WDR)


Thomas Stangl erhält den aspekte-Literaturpreis für den Roman Der einzige Ort als das beste deutschsprachige Prosadebüt des Jahres 2004.

Aus der Begründung der Jury: »Das Buch ist eine unbändige, ausufernde Auseinandersetzung mit dem Mythos Timbuktu und den Bildern, die Europäer und Afrikaner über afrikanische Verhältnisse entwickeln. Stangl schwelgt in Phantasien, zeichnet ein Afrika, in dem die Vorstellungen von Timbuktu den wahren Ort verdrängen (...) Ausgezeichnet wird ein Roman, der sich absetzt vom Trend zu subtilen, kleinteiligen Beschreibungen deutscher Zustände und das Risiko der großen Dimension auf sich nimmt.« Der Preis wird auf der Frankfurter Buchmesse überreicht und in der aspekte-extra-Sendung von der Frankfurter Buchmesse am 7. Oktober vorgestellt.

»Stangls nüchterne Einfühlung in die beiden Europäer der frühen Biedermeierzeit gehört zum Besten, was im historischen Roman überhaupt erreichbar ist (…) ein grandioser Roman.« (Tilman Spreckelsen, FAZ)

»ein glänzendes Debüt« (Karl-Markus Gauss, SZ)

»Unermessliche Distanzen und historische Räume bewegen sich an uns vorbei, flirren wie Fata Morganas in der Luft (…) kongenial.« (Andreas Langenbacher, NZZ)

»Es gab Momente, wo ich dachte, ich bin selbst auf einer Expedition.« (Gabriele von Arnim)

»Das ganze Buch besteht aus einer unglaublich großen Reflexion: Was heißt ›Welt erleben‹ aufgrund dieser Entdeckungsreisen.« (Hardy Ruoss)

»Jahrtausende stürzen auf einen ein, funkeln wie ein Sack Edelsteine, den eine verdurstende Karawane verloren hat (…) ein mitreißendes Epos.« (Ingeborg Sperl, Der Standard)

»Die Suche zweier Entdeckungsreisender nach dem sagenhaften Timbuktu entfaltet Glanz und Sogwirkung (…) ein phantastisches Buch.« (Johanna Blasi, Hannoveraner Allgemeine Zeitung)

»Stangl spannt einen fulminanten Bogen dreitausendjähriger Zeitgeschichte. (…) Er hat in seinem Debütwerk einen opulenten, erstaunlich konzentrierten Text voll sinnlicher Eindrücke und Nuancen vorgelegt, der das Genre ›Historischer Roman‹ auf den Stand des modernen Erzählens hebt.« (Thomas Kraft, Rheinischer Merkur)

»Thomas Stangl ist ein brillanter Roman geglückt. Ohne selbst je in Afrika gewesen zu sein, hat er mehr von Afrika begriffen, als die meisten Afrikareisenden.« (Bernhard Horwatitsch)

»Ein geniales Werk, mutig, kühn, demütig.« (Werner Krause, Kleine Zeitung)

»Der einzige Ort ist ohne Zweifel ein ausserordentlich sprachmächtiges, bilderkräfiges Buch, das einen überbordenden Reichtum an Beobachtungen, Ideen, traumartigen Gespinsten und wunderbar-wunderlich verworrenen Handlungsabläufen bereithält und den Leser unentrinnbar in die süchtig machende Lektüre kippen lässt.« (Julia Kospach, Der Bund)

»Das, was heute bekannt ist, entspricht nicht der Geschichte einer alten Kultur, sondern ihrer Auslöschung. Dem anderen Afrika einen Teil seiner Wirklichkeit zurückzugeben, nicht weniger leistet dieses großartige Epos und nicht mehr kann ein historischer Roman heute leisten.« (Uta Beiküfner, Berliner Zeitung)

»Einer räumt auf mit der Vorstellung, dass die neuetse deutschsprachige Literatur nur den Rasen hinter dem Gartenzaun der kleinen Erlebniswelt pflegt. Thomas Stangl erprobt die große Form, wo Fantasie und Recherche kraftvoll zusammenstroßen.« (Anton Thuswaldner, Salzburger Nachrichten)

»Jeden Abend, wenn ich das Buch schloss, wusste ich, dass ich es anächsten Tag wieder aufschlagen und darin weiterlesen würde, während vieler Tage, wie auf einer Reise, die sich über eine längere Dauer erstreckt, wie mechanisch, angezogen vom unerbittlichen Sog, den das Buch ausübt.« (Aurel Schmidt, BücherPick)

»Stangls Debüt ist fulminant und den Roman nicht zu kennen, Schande und Verlust.« (Ditta Rudle, Buchkultur)

»Thomas Stangl ist ein enorm komplexer, fantastischer, geheimnisvoller Roman gelungen, ein tatsächlich großer Afrika-Roman von einem, der noch nie in Afrika gewesen ist.« (Georg Pichler, Die Presse)


In den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts bewegen sich zwei wenig bekannte Reisende auf die für Europäer noch immer sagenhafte Stadt Timbuktu zu: der eine ist Major Alexander Gordon Laing, der eine Karawane von Tripolis aus durch die Sahara führt, der andere ist René Caillié, von niemandem beauftragt und von niemandem unterstützt, der als Moslem, allein und mit wechselnden Begleitern, von Senegal her den Niger zu erreichen sucht. Bald hintereinander, 1826 und 1828, gelangen beide in die begehrte Stadt und verlassen sie bald wieder, der eine erreicht nach unerträglichen Strapazen Marokko und dann Frankreich, der andere bleibt verschollen. Diese historischen Ereignisse verwandeln sich bei Thomas Stangl in eine Phantasie von außerordentlicher Sprachgewalt. 3000 Jahre Geschichte des Raumes zwischen Mittelmeer und Sudan werden erzählt, Mythen, Sagen, Legenden mischen sich mit historischer Überlieferung, ausgreifende Essays über die mannigfaltigen Projektionen der Europäer von Herodot bis Leo Frobenius durchziehen den Roman um die beiden ›Abenteurer‹. Ins Unbekannte aufbrechen, ein Wagnis auf sich nehmen, denkend phantasieren – mit einem Wort: erzählen.

In einer enormen Bilderflut, mit weit ausholenden Sätzen von großer Dichte und Suggestivität, stellt Thomas Stangl eine Wirklichkeit her über die Sehnsucht nach dem Unbekannten, am Schnittpunkt zwischen Kolonialismus und privatem Wahn, einen Abenteuerroman nach dem Ende aller Abenteuerromane – bei dem das eigentliche Abenteuer sich von Satz zu Satz vollzieht. »Wie konnten die Menschen träumen, bevor ihnen die Technik zeigte, wie ein Bild auf das andere folgt, eine Einstellung die andere ersetzt?«






Thomas Stangl, 1966 in Wien geboren, studierte Spanisch und Philosophie und veröffentlichte bisher in Literaturzeitschriften. Thomas Stangl lebt in Wien.
Der einzige Ort ist seine erste Buchveröffentlichung.




                          


   

Textausschnitt


Solange er unterwegs ist, fühlt er sich ganz in seinem Körper gefangen, in einer Abfolge momentaner, unentrinnbarer Empfindungen; nur während der Rasten merkt er, daß er unterwegs ist, Bilder der Orte kehren in seinem Geist wieder und verschwinden; er weiß, daß keiner dieser Orte jemals wieder für ihn Wirklichkeit erlangen wird; er fragt sich, was es ihn kümmert, ob sie je für andere Wirklichkeit erlangen werden; er will nichts mehr beschreiben, liest lieber in älteren Eintragungen seines Journals und langweilt sich dabei zu Tode. In seinen Briefen findet er dafür immer entschiedenere Worte des Selbstlobs: die Landkarten, die er auf verschiedene Zettel kritzelt, während er in In Salah (fast planmäßig angekommen und doch wieder nur gestrandet) in seinem Zimmer herumsitzt und auf die Weiterreise wartet, eine Hand fast immer am sinnlos erigierten Schwanz unter seiner Hose, werden, schreibt er, die genauesten sein, die es für lange Zeit über diesen Teil Afrikas geben kann, er stellt, schreibt er, Vergleiche zwischen der antiken und der modernen Geographie Afrikas an, aber es ist zu früh, etwas darüber zu sagen; er hat vor der Abreise aus Ghadames einen Kometen gesehen, der nach Südwesten gezogen ist: nur für ihn, nur um am Himmel seinen, Alexander Gordon Laings Weg vorzuzeichnen. In Wahrheit schreibt er die Messungen von seinen noch funktionierenden Navigationsgeräten von einem Zettel auf den anderen ab, kritzelt Wellenlinien für Gebirge auf die sehr weißen Blätter Papier, mit transkribierten seltenen Ortsnamen für die seltenen benennbaren Orte dieser leeren Region, stellt sich, um eher das Gefühl einer Verbindung zu den Menschen um ihn aufbauen zu können, vor, die Nachkommen von Garamanten und Ataranten vor sich zu sehen. Unter den Büchern, die er mit sich führt, sind (immerhin ist er der Sohn eines Lateinlehrers) auch Herodot, Plinius und Strabo, er kennt die paar Passagen, die das Innere Afrikas betreffen, schon auswendig; er verflucht, anders als die Ataranten, zugleich mit der Hitze auch schon die Kälte; abends kann er kaum mehr seine Feder halten, so klamm werden seine Finger; das läßt ihn immer wieder spüren, wieviel Zeit seit seinem Aufbruch verstrichen ist; umso rasanter, je weniger er zu tun imstande war. Grotesk findet er, daß es gleichzeitig immer noch heiß ist: er kann mit dem Gesicht in der Sonne sitzen und mit den Beinen im Schatten, und seine Gesichtshaut verbrennt, während seine Beine frieren; er fragt sich, warum Menschen sich einbilden, hier leben zu müssen, er würde es einfacher finden, wenn die Wüste menschenleer wäre.

   
   




Thomas Stangl
Der einzige Ort

Roman

408 Seiten
22,5 x 14,5 cm, gebunden
ISBN 3-85420-649-6
€ 25.-

Bestellung
   

Unsere lieferbaren Bücher Aktuelles / Neuerscheinungen
Autorenportraits Zurück zum Anfang


© Copyright by Literaturverlag Droschl
A-8010 Graz Alberstraße 18 Tel: +43/(0)316/32-64-04 Fax: +43/(0)316/32-40-71
Stand vom 31. 1. 2005