NEUERSCHEINUNGEN
LITERATURVERLAG DROSCHL



                          


   

Ilma Rakusa

Langsamer!
Gegen Atemlosigkeit, Akzeleration und andere Zumutungen

»ein leidenschaftliches Plädoyer für die Verlangsamung, die Pause, die Faulheit, das Innehalten, das Lesen und die Genauigkeit.« (Iris Radisch, Die Zeit)

»Ilma Rakusa hat ein zentrales Problem der heutigen Zeit erkannt und zum Gegenstand eines klugen Essays gemacht.«
(Stefan Neuhaus, literaturkritik) und »liefert eine furiose Anstiftung zum Lesen.« (Der Bund)

»Ein wunderbarer Essay gegen die Diktatur der Geschwindigkeit; ein Plädoyer, endlich wieder einmal innezuhalten und darüber nachzudenken, dass es vielleicht auch anderes gibt, als alles immer schneller zu machen. (…) Ein Buch, das ich Ihnen dringend, dringend, dringend empfehlen möchte.« (Gabriele von Arnim, Literaturclub)

»Ein Büchlein, ideal zur lustvollen und anregenden Lektüre.« (Fitz Popp, bibliotheksnachrichten)

»Ilma Rakusa ist eine Ausnahmeerscheinung.« (Thomas Rothschild, Freitag)




Ilma Rakusa ist den Lesern und den Literaturmenschen lange schon bekannt nicht nur als raffinierte Autorin, sondern auch als eine leidenschaftliche Leserin, die aus dem Rückzug in die Lektüre mit bereichernden Funden und Entdeckungen wieder in die publizistische Öffentlichkeit tritt (und hier auf wunderbare Weise über das Gelesene zu berichten weiß). Kein Wunder also, dass ihr das Lesen als eine der Hauptfiguren des Widerstandes gilt gegen das Diktat des ökonomisch argumentierenden Zeitgeistes; das Lesen, das – trotz immer wieder praktizierter Formen des ›schnellen‹, ›rasanten‹ Stils – als einzige Kunstform auf der Verweigerung von Tempo, Eile, Geschwindigkeit beharrt. In diesem programmatischen Essay werden noch einmal alle Formen der Beschleunigung und mehr noch alle Kritiker von Mobilität und Tempo – von Goethe bis Virilio – aufgezählt; mit lustvoller Heftigkeit widmet sich Ilma Rakusa dem Tempo in Arbeitswelt und Kommunikation, in Tourismus und Entertainment, und fragt sich schließlich: »Wieviel Geschwindigkeit verkraften wir?« Das Auftauchen von Bewegungen wie slow food oder slow-cities, die wachsende Popularität von langsamen Reiseformen wie dem Wandern gibt zu denken: »Es geht um ein Gegenprogramm zu Zeitmanagement, Zapping, Eventrausch und Trendhektik. Um ein Innehalten, hier und jetzt.«



       


   

Textauszug

Aber ich möchte über die Liebe reden. Über die Lektüre als Liebesakt und den Liebesakt als Lektüre. Ich bin allein mit dem Buch. Wir sind zu zweit. Mein rechter Finger folgt den Zeilen, streicht über den Seitenrand. Kein Eselsohr, sondern der Bleistift markiert, daß mich ein Wort, ein Satz oder ein Abschnitt berührt haben. Aha, sagt die innere Stimme, oder: Erstaunlich, das höre ich zum ersten Mal. Ich lese weiter, gespannt, beeindruckt, amüsiert. Spüre immer deutlicher, daß das Buch mir zum Freund wird. Ich rieche schon an ihm, fasse das glatte Papier zärtlich an. (Alberto Manguel: »Man liest eine bestimmte Ausgabe, ein bestimmtes Exemplar, das man an der rauhen oder glatten Beschaffenheit des Papiers erkennt, am Duft, am Riß auf Seite 72 und am Kaffeering rechts oben auf dem Rückendeckel.«) Meine Zärtlichkeit nimmt zu, weil das Buch mich versteht. Ja, es versteht mich, als hätte nicht ich es ausgesucht, sondern es mich. Unser Zwiegespräch könnte intimer nicht sein, während draußen die Landschaft vorbeifährt. Oder die Nachbarskinder toben. Wir teilen einen Raum, und er gehört uns, den liebend Verbündeten. So wie ich dich lese, liest dich niemand, sage ich zum Buch. Und das Buch: Was ich dir gebe, weißt nur du. Bis heute leihe ich meine Bücher nur ungern aus, weil ich mit jedem einzelnen (m)eine Liebesgeschichte hatte und der bloße Anblick eines bestimmten Umschlags nicht nur die Buchstory, sondern mehr noch meinen Umgang mit ihr evoziert.

                          


   





© Simon M. Ingold

                          


   



Ilma Rakusa, geboren 1946, lebt als Schriftstellerin, Übersetzerin, Publizistin und Universitätslehrbeauftragte in Zürich.
Zahlreiche Übersetzungen aus dem Russischen (Zwetajewa, Remisow), Französischen (Duras), Serbokroatischen (Kiš) und Ungarischen (Kertész, Nádas); Lyrik- und Essaybände, Dramolette, Erzählungen, zuletzt Love after love. Acht Abgesänge (2001), Von Ketzern und Klassikern. Streifzüge durch die russische Literatur (2003). Bei Droschl erschienen 1994 ihre Poetikvorlesungen Farbband und Randfigur.
Wichtigste Auszeichnungen: Petrarca-Übersetzerpreis (1991), Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung (1998), Adalbert von Chamisso Preis (2003).
www.ilmarakusa.info.

Ilma Rakusa liest:

Zürich
Montag, 30. Januar 20 Uhr, Literaturhaus, Limmatquai 62

Berlin
14. Februar, Literarisches Colloquium Berlin, Am Sandwerder

Basel
21. Februar, Literaturhaus Basel

                          


   


Langsamer!
Gegen Atemlosigkeit, Akzeleration und andere Zumutungen

ESSAY 54

96 Seiten, 18 x 11,5 cm, Broschur
ISBN 3-85420-692-5
€ 12.-

Bestellung
   

Unsere lieferbaren Bücher Aktuelles / Neuerscheinungen
Autorenportraits Zurück zum Anfang


© Copyright by Literaturverlag Droschl
A-8010 Graz Alberstraße 18 Tel: +43/(0)316/32-64-04 Fax: +43/(0)316/32-40-71
Stand vom 9. 3. 2006