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Anna Kim
Die gefrorene Zeit

Über Trauma, Verlust und Erinnerung, erzählt aus der Perspektive einer Fremden.

Seit dem Ende des Krieges im ehemaligen Jugoslawien wurden dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes mehr als 30.000 Menschen als vermisst gemeldet. Bis heute konnten nur etwa 15.000 Personen identifiziert werden.

Das ist der Hintergrund der Geschichte, die Anna Kim in ihrem zweiten Buch erzählt: die Suche eines Kosovaren nach seiner verschwundenen Frau und das allmähliche Eindringen der Ich-Erzählerin in die komplexen Zusammenhänge hinter diesem traumatisierenden Ereignis. Sie lernt nicht nur das alltägliche Leben in den albanisch-serbischen Konfliktzonen des Kosovo kennen, die schockierende Arbeit der Archäologen und forensischen Mediziner und Anthropologen, die Fragebögen zur Erhebung der »Ante-Mortem-Daten« des Roten Kreuzes – es öffnen sich vor allem die Dimensionen von Erinnerung und Erinnerungsverlust, von unterbrochenen Biografien, von »gefrorener Zeit«.

In diesem außergewöhnlichen Buch setzt Anna Kim die Arbeit ihres Debütbandes Die Bilderspur an den Themen ›Fremde‹, ›Fremdheit‹, ›gebrochene Lebensläufe‹ mit bedrückender Aktualität fort. Aber nicht nur die Zeitgeschichte ist es, was sie interessiert, sondern die sprachliche Abbildbarkeit eines unverständlichen Schreckens, die Frage nach den richtigen Wörtern und Sätzen für das ›ganz Andere‹.

»Ein ergreifender Roman.« (FAZ)

»Mit Sicherheit eines der wichtigsten Bücher dieses Jahres.« (Peter Landerl, Literaturhaus Wien)

»Ein Roman von eindringlicher Kraft, ein Werk, das so poetisch wie deutlich ist, das die genaue Recherche so wenig gescheut hat wie formale Experimente. (…) Gefroren ist die Zeit in Anna Kims Roman und kühl seine Sprache, und doch ist ein heiliges Feuer darin.« (Paul Jandl, NZZ)

»Die gefrorene Zeit ist ein Buch über Erinnerung, über den Umgang mit dem Schrecken, über das einsetzende Vergessen. (...) Anna Kim findet für ihr so aktuelles und politisches Buch eine zarte, fast lyrische Sprache, die Zwischentöne zulässt und mehr beschwört, als sie benennt.« (Thomas Rothschild, Die Presse)

»Für die Recherche zu diesem Roman ging sie von einem Buch der Gegenstände aus, einem Katalog mit Fotos von Gegenständen, die in Massengräbern gefunden wurden: Ausweise, lose eingesammelte Kleidungsstücke, kleine Dinge, die man in der Hosentasche mit sich trägt. Dieser Katalog habe Kim auf die Spuren dessen gebracht, was das Kriegstrauma für Einzelpersonen bedeute.
In Gesprächen mit Menschen aus dem Kosovo über deren Trauer habe sie eine Grenze kennengelernt, "wo man nicht weiter fragen, weiter sprechen kann." Diese Grenze zu überwinden, zum nächsten Satz vorzudringen sei die wesentliche Erfahrung beim Schreiben gewesen."« (Isabella Hager, Der Standard)

»Lange hat Kim eine adäquate Spreche gesucht, um das Unsagbare literarisch festzuhalten. Es ist ihr mehr als gelungen.« (Caro Wiesauer, Kurier)

»Kim gelingt durch ihre zurückhaltende Sprache der Versuch, ein Stück Weltpolitik und nunmehr auch schon Geschichte durch die literarische Aufarbeitung von Einzelschicksalen (be)greifbar zu machen.« (APA, Edgar Schütz)

»ein außergewöhnliches Buch« (Tiroler Tageszeitung)

»In unterkühlter ebenso sachlicher wie poetischer Sprache gelingt es Anna Kim bereits auf den ersten Seiten ihres Buches, die großen menschlichen Fragen zu stellen. Wie konstruiert sich Identität? Ist sie wirklich, so wie es der Fragebogen suggeriert, klar bemessen? Setzt sie sich wirklich bloß aus Geschlecht, Alter, Krankheit, Kleidung, Augenzeugenberichten und Zufallsbegegnungen zusammen? Was bleibt vom Menschen, wenn er nicht mehr real anwesend ist? Wenn er verschwimmt, sich in Akten, Datenblättern und Ante-Mortem-Fragebögen auflöst? (...) Anna Kim hat mit ihrem neuen Buch einen eindrucksvollen Text vorgelegt und hat für die Schrecken des Krieges ebenso eine adäquate Sprache gefunden wie für die Freuden und Kümmernisse des Alltags.« (ORF, Ö1 Buch der Woche, Gerhard Pretting)

»Anna Kim bringt eine Erfahrung auf den Punkt, die jeder kennt, der liebt: Die Zeit, die wir vom Geliebten getrennt sind, erscheint uns als fahl und leer, ja sie scheint mitunter überhaupt stillzustehen. Kim überträgt diese existentielle und fast alltägliche Erfahung auf eine Extremsituation.« (Nicole Streitler, Falter)

»Wie souverän werden hier ergreifende Liebesgeschichten mit dem Bürgerkrieg im Kosovo verbunden, wie bohrend fragt der Text nach der Stellung der Toten in unserem Leben, wie führt er die Tradition und das Ritual als Kerker und als schönen, tröstlichen Halt vor, wie nähert er Aberglauben und das Erzählen einander an, wie verquikit er Lieben, Vermissen und Hassen.« (Rolf-Bernhard Essig, Neue Presse)

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