NEUERSCHEINUNGEN
LITERATURVERLAG DROSCHL



               Johannes Gelich
Chlor
Roman

Ein Mann wird gekündigt und verlagert sein Büro ins Hallenbad.
Eine absurde und abgründige Eskapade über das Leben in Schwimmbädern.

»Ein poetischer, inspirierter Roman voll subtilen Humors« (Barbara Villiger Heilig, Neue Zürcher Zeitung)

»Man möchte mittun, mitschwimmen, sich treiben lassen« (Joachim Scholl, Deutschlandradio)

»Der Sog von Chlor ist zu stark, um diesen Roman als nette Ausstiegs-Eskapade zu lesen. Schon nach wenigen Seiten möchte man mit Hans mitschwimmen, läßt man sich von Johannes Gelichs sanfter Spache tragen.« (Katja Huber, Bayrischer Rundfunk)

»Diese Geschichte schafft es, sogar im Hallenbad einen Sog zu erzeugen. Auf jeser Seite steigt die Lust an Chlor.« (Peter Pisa, Kurier)

»Dieses Buch hat eine Ähnlichkeit mit den Romanen Wilhelm Genazinos. Auch Gelichs Ich-Erzähler gehört in die Kategorie der liebenswerten Aussteiger, die sich der allgemeinen sinnentleerten Geschäftigkeit verweigern und lieber die Kunst des Müßiggangs und der genauen Beobachtung praktizieren.« (Sylter Spiegel)

»Wie die zahmen Hallenwellen stoisch an die Startblöcke oder die Trennlinie zum Nichtschwimmer-Bereich schwappen, so nimmt man in Johannes Gelichs Roman gut zweihundert Seiten an einer klassischen Vita contemplativa teil (…) ein Buch mit heiterem Gleichmut und feiner Beobachtungsgabe.« (Katrin Hillgruber, Frankfurter Rundschau)

»ein sprachlich hervorragendes Buch mit einem verblüffenden Ende« (Christine Kalss, Maxima)

»auch eine treffsichere Zeit- und Gesellschaftskritik« (www.sandammeer.at)

»Glänzender Lesestoff! Es steht zu befürchten, dass am Ende auch Nichtschwimmer unter den Lesern bald das nächste Hallenbad aufsuchen.« (Lothar Schröder, Rheinische Post)

»Die überaus komische Schilderung absurder Umtriebe herrschender Ökonomie gehört zu den großen Stärken von Chlor, (…) da kommen selbst den Fischen die Tränen (!) ein wunderbarer, todlustiger Roman.« (Ewald Schreiber, Der Standard)




Während draußen der Konkurrenzkampf tobt und die kalte Hand der Ökonomie alles zu erdrücken droht, verbringt der Erzähler seine Tage im Hallenbad, eingehüllt vom sanften Plätschern des Wassers, von den gedämpften Geräuschen der Menschen und den Durchsagen der Badeanstalt. Von seiner Firma wurde er »freigesetzt«, von seiner Frau Vivien wird er zunehmend ignoriert – sie steht ja auch mit beiden Beinen und, wie es den Anschein hat, erfolgreich im stressreichen Leben einer PR-Managerin. Immer mehr wird das Wasser zu seinem Element: schon immer haben ihn Fische interessiert, er weiß alles über Haie und Wale, und wenn er nicht ins Hallenbad geht, dann besucht er das Aquarium.
Aber während er sich in die sanfte, konfliktfreie Welt des Wassers zurückzieht, eskaliert die Krise mit Vivien.
Johannes Gelichs Chlor ist ein so nachdenklicher wie komischer Roman. In seinem leidenschaftslosen Aussteiger hat Gelich eine Figur erschaffen, die sich den Zumutungen des Berufslebens, aber auch den Konflikten des Sexuellen mit Erfolg verweigert. In genauen Beobachtungen, mit Humor und schnörkelloser Sprache geht der Autor den Konsequenzen dieser Regression nach und entführt die Lesenden in eine eigenartige Welt aus lustvoller Wärme und Handlungslosigkeit.



              

       

Johannes Gelich, geboren 1969 in Salzburg, studierte Theaterwissenschaft und Germanistik, danach war er zwei Jahre Lektor in Iasi (Rumänien); lebt in Wien.

Gelich gab Dossiers und Anthologien mit rumänischer und moldawischer Gegenwartsliteratur heraus (2001 in der ›Wienzeile‹ und 2002 in ›Literatur und Kritik‹), veröffentlichte Kurzprosa, Reportagen, Essays und mehrere Hörspiele; die Novelle Die Spur des Bibliothekars erschien 2003.

                          


   




                          


   

Textausschnitt


Nach der Wärme im Hallenbad schlägt mir auf der Straße die kalte Luft ins Gesicht. Es ist kühl und feucht wie im November. Ich bin dankbar für diesen ungeplanten Tag in der Halle. Zuhause mache ich kein Licht. Es erscheint mir absurd, Licht für mich allein zu machen. Ich bin nicht hungrig oder durstig, vielmehr verspüre ich ein mattes Verlangen abzuschalten und beobachte die Hausfassade gegenüber, während ich auf der Wohnzimmer-Couch im Halbdunkel sitze. Ich frage mich, ob das Mädchen mit dem Zebramuster-Bikini morgen wieder ins Hallenbad kommen wird. Die Dämmerung über den Dächern geht in die Nacht über, hinter einigen Fenstern flackert nervöses Licht aus Bildschirmen. Die Stimmen vom Hallenbad haben sich in meinem Kopf zu einem gleichmäßigen Geflüster beruhigt. Ich erfreue mich an dem rhythmischen Zusammenspiel der bunt aufflackernden Fenster. Blau, ein Rotschimmer dort, ein gelbliches Zucken hier, doch zumeist ein hektisches kaltes Blau. Während ich das feierabendliche Treiben hinter den Fenstern des Nachbarhauses verfolge, ziehen die Bilder von heute Morgen an mir vorbei: Ich fuhr wie jeden Tag in die Firma, grüßte im Aufzug den einen oder anderen Kollegen mit einem Nicken und betrat mein Büro im 7. Stock unseres Glas-Solitärs am Donauufer. Ich schaltete den Computer ein, packte einige Unterlagen aus meiner Aktentasche, als ich den Anruf von Abteilungsleiterin Kain zu einem Vier-Augen-Gespräch entgegennahm. In ihrem Büro teilte sie mir mit, dass unsere Abteilung aufgrund von Reengineeringmaßnahmen umstrukturiert werde, und händigte mir ein Kündigungsschreiben aus. Ich sei mit sofortiger Wirkung vom Dienst freigestellt, meine Anwesenheit für die Dauer der Kündigungsfrist im Haus nicht mehr erforderlich.

   
   




Johannes Gelich
Chlor

216 Seiten
21 x 13 cm, gebunden
ISBN 3-85420-699-2
€ 19.-

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Stand vom 13. 7. 2006