NEUERSCHEINUNGEN
LITERATURVERLAG DROSCHL



Antonio Fian
Fertige Gedichte

»Unbedingt zu lesen, diese Gedichte dringen langsam in jede Ritze ein, unvergesslich!« (Helmuth Schönauer, Buchkultur)

»In Fians Gedichten zeigt sich seine formale Virtuosität … so stark und variantenreich sind die Gefühle in seinem lyrischen Schaffen.« (Veronika Doblhammer, Wiener Zeitung)

»Es ist das Vorspiel zum Endspiel. Nicht letzte Worte formuliert es, sondern vorläufige, vorletzte. Sie sagen vor allem: dass für das Letzte die Worte fehlen. Der Lyriker Antonio Fian wird zum Sänger wie die Dichter alter Zeiten. Nur dass sein Gesang dem gleicht, den einer anstimmt im finsteren Wald, um die Angst zu unterlaufen, deren Ausdruck er ist.« (Samuel Moser, NZZ)

Vor 5 Jahren erschien der erste Lyrikband Fians, Üble Inhalte in niedrigen Formen, 26 Gedichte, die des Autors »Blick fürs Wesentliche«, so die Kritik, bewiesen. »Antonio Fians poetischer Hochform sind die niedrigen Formen nur Vorwand für eine umso emphatischere Bestandsaufnahme des lyrischen Sprechens«, stand in der NZZ zu lesen. Die ›niedrigen Formen‹ von damals sind, so suggeriert es der neue Titel, mittlerweile völlig am Ende, ›fertig‹ – oder doch erst jetzt vollendet? Antonio Fians Kunst besteht, hier wie in seinem ganzen Schreiben, in der Reduktion: nicht der 500seitige Familienroman, sondern das manchmal nur 10zeilige Dramolett, nicht 50 Sonette, sondern 1 Sonettenkranz! Dass es in den Üblen Gedichten um Tod, Mord und Verzweiflung ging, war für den aufmerksamen Leser zwischen den witzigen, parodistischen, »lustvoll gemeinen« (Paul Jandl) Gedichten herauszulesen. Im neuen Band sind sogar noch die unbeschwerteren zwischen den rabenschwarzen Gedichten (die üblichen Themen: der Herbst, der Fußball, die Dichter, die Nacht, das Geschlecht) ziemlich finster eingefärbt. Lassen wir uns nicht täuschen von der betonten Unauffälligkeit dieses kleinen Buches: einen so weiten und dabei nie larmoyanten Vorstoß in existenziell düsteres Gelände hat es seit den späten Jandl-Gedichten nicht mehr gegeben.




© Nikolaus Korab

                          


   



Antonio Fian, 1956 in Klagenfurt geboren, lebt in Wien.

Seine Bücher erscheinen seit 1987 bei Droschl (Erzählungen, Aufsätze, Gedichte, ein Roman), und im Standard und im Falter sind regelmäßig seine Dramolette zu Phänomenen der Kultur der Gegenwart zu lesen (gesammelt in den Büchern Was bisher geschah, 1994, Was seither geschah, 1998, und Alarm, 2002).





                          


   

Textausschnitt


Praterstern (Durchs Wirtshausfenster)

Zwei Japaner ziehn vorbei.
Eine Frau mit Kopftuch. Nun ein Mann mit Bart.
Eine junge Frau, die in ihr Handy spricht.
Ein Mann mit Kappe und ein Mädchen ganz in Schwarz.

Ein Knabe, rasch, auf einem Fahrrad.
Ein Herr, der hinkt. Ein Hund allein.
Erich Hackl. (Soll ich winken?)
Ein junges Paar im Streit.

Jetzt wär' ein Hirte schön mit seiner Herde,
ein Elefant, auf seinem Rücken eine weiße Taube.
Nun zieht eine alte Frau vorbei,
weißes Haar, beige Haube.

                          


   

   
       

       

Die guten Eltern

Es geht uns allen
viel zu gut.
Die Kinder sollen 's
einmal besser haben.



Wille zur Unterwerfung

Dass etwas endlich sagte: bäh!
und ich, gehorchend, bähte.
Dass etwas endlich sagte: mäh!
und ich, gehorchend, mähte.
Dass etwas endlich sagte: buh!
und ich, gehorchend, buhte.
Dass etwas endlich sagte: ruh!
und ich, gehorchend, ruhte.

   
   




Antonio Fian
Fertige Gedichte

48 Seiten
21 x 13 cm, frz. Broschur
ISBN 3-85420-697-6
€ 8.-

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Stand vom 11. 4. 2006