AUTORENPORTRAIT
LITERATURVERLAG DROSCHL



© Gezett

Birgit Kempker

Birgit Kempker, geboren 1956 in Wuppertal, wohnt in Basel. Studium der Kunst und der Literatur. Dozentin für Wort und Bild.

Veröffentlichte bei Droschl: Liebe Kunst (Essay, 1997) und Als ich das erste Mal mit einem Jungen im Bett lag (1998; im Februar 2000 per Gerichtsbeschluß indiziert), Mike und Jane (2001) und Meine armen Lieblinge (2003).

Davor zuletzt: Dein Fleisch ist mein Wort (1992), die Hörstücke Kein Fleisch. Stücke (mit Bernd Kempker, 1994), Anleitung fürs Blut und Ich ist ein Zoo (1996), Ich will ein Buch mit dir (1997).
»Birgit Kempkers Texte sind Indizienprozesse, instabile Mitschriften der vielfachen Kopulationen von Körpersprache und Sprachkörper, ein blutiges Unternehmen...« (Annette Brockhoff)

Birgit Kempker hat eine eigene homepage unter www.xkult.ch/kempker



Meine armen Lieblinge

2003, 152 Seiten, geb., ISBN 3-85420-634-8, € 16-

Welche Verhältnisse meinen wir eigentlich, wenn wir von Sex reden?

Männer sprechen über ihre Frauen, Frauen sprechen über ihre Männer, Birgit Kempker schreibt über die Rituale, mit denen dieses Sprechen einhergeht. Die Wunden, die hergezeigt werden, sind so groß wie die, die man zufügt, und die Ehrlichkeit der Rede hält sich mit taktischer Intelligenz die Waage.

Aber natürlich schreibt Birgit Kempker keine clevere Betroffenheitsprosa; psychologische Befunde sind nur eines von mehreren Spielelementen ihres äußerst reflektierten, wachen und offenen Schreibens. Sie wechselt nicht nur die Jargons in atemberaubendem Tempo, sondern auch die Perspektiven von Mann und Frau (»Ich bin komplexer als mein Ruf«, sagt der Mann in einer Erzählung einmal), und der Schauplatz des Schreibgeschehens heißt immer: Sexualität. Ob Liebeswahn oder Eifersucht, Demütigung oder Triumph – in allen Geschichten halluziniert sich der Text an die Angesprochenen heran, und die heißen entweder »mein Mann«, »meine Frau«, »meine Freundin« oder »meine Mutter«.

Mit einer »ungemein raffinierten Mischung aus Souveränität und Unbefangenheit« (Petra Nachbaur) trifft Birgit Kempker die Wirklichkeit unserer sexuellen Verhältnisse ins Herz. Ob sie anständig spricht oder unanständig, ob sie assoziiert oder konstruiert, ob sie beim Ich ansetzt oder im dichten Geflecht der Beziehungen – was uns aufeinander zutreibt und wieder voneinander weg, ist so lust- wie qualvoll. Fun allein gibts nicht. Und für das Sprechen darüber gilt das gleiche: Literatur allein gibts (bei Birgit Kempker) auch nicht.

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Mike und Jane

2001, 100 Seiten, geb., ISBN 3-85420-562-7, € 15,50-

Unanständige, comicartige und wahre Lehrstücke über das Mißlingen von Kommunikation, sobald die Liebe mit im Spiel ist.

An die 90 mal liegt Mike unter einem Baum, Jane liegt daneben und liebt ihn. Das ist die Versuchsanordnung in Birgit Kempkers neuem Werk Mike und Jane, einer Abfolge von Dialogen zwischen ihm und ihr, in denen 90mal die Liebe zu Fall kommt. Er mißversteht sie, sie fehlinterpretiert ihn. »Liebe hat nichts mit verstehen zu tun, sagt Mike, im Gegenteil.«
Der Sprachwitz, mit dem Kempker diese knappen Szenen skizziert, schafft äußerstes Lesevergnügen - und lustvolle Erkenntnis. Die Konzentration dieser Texte verwandelt sie in vieles gleichzeitig: in Exerzitien, in Fallbeispiele, in Witze, in Sprachspiele, in Comics. Körper und Seele werden in ihnen im selben Maße verhandelt wie die Sprache, die im übrigen keine Berührungsängste kennt, denn die Miseren zwischen den Geschlechtern haben nun mal eben mit dem Geschlecht zu tun: und das Sexuelle ist der Sprache von Mike und Jane tief eingeschrieben.
Birgit Kempker ist eine Spezialistin für die turbulenten Zustände in engen Verhältnissen, und Mike und Jane ist ihr bisher unanständigster Versuch, dem chaotischen Mißlingen der Affären eine geordnete Rede entgegenzusetzen.

»Welch Lust! Welch Lesevergnügen! … Die Szenen haben es in sich: Liebe, Lachen, Spaß am Leben.« (Blitz)
»Ein furioser literarischer Modellversuch über die Aporien und Abgründe einer Sprache der Liebe« (Basler Zeitung)

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Liebe Kunst

1997, 110 Seiten, frz. Broschur, ISBN 3-85420-454-X, € 11,50-

Zuerst fängt alles relativ einfach an: »Nicht Fisch, nicht Vogel«, das ist eine Anrede, ein Arbeitstitel, ein Thema, eine Fragestellung. Es geht offensichtlich (?) um die Liebe und um die Kunst, und Titel und Titten stehen lustvoll nebeneinander Aber wenn man dann einmal so gründlich darüber nachdenkt und dabei wie Birgit Kempker mit akrobatischer Leichtigkeit alle Register hoher und niederer Sprachkunst zieht, dann gerät das Denken und Sprechen wie das Schreiben und Lesen in einen Strudel.

Birgit Kempkers Essay ist ein höchst ungewöhnlicher Text, der mit Turbulenz und Fröhlichkeit von der Ernsthaftigkeit seiner Fragen und mit rasender Geschwindigkeit von der Tiefe seiner Gedanken ablenken möchte. Eine Lektüre wie eine Achterbahnfahrt.

»Um auf den springenden Punkt zu kommen, muß man dem Text den Boden durchschlagen, was im Text auftaucht, ist immer bereits verpaßt oder amputiert fürs Leben. Und wer dem Text den Boden durchschlägt, um auf eine Wirklichkeit oder Wahrheit zu stoßen, trifft immer auf eine Gewalt, eine Beschädigung im Realen, für die der Text Mäntelchen oder Abbild wäre.« (Silvia Henke)


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Als ich das erste Mal mit einem Jungen im Bett lag

1998, 102 Seiten, geb., ISBN 3-85420-494-9
vergriffen


Ein Versuch über die Pubertät, der sich schamlos und zurückhaltend zugleich ausschließlich der Initiation in die Sexualität zuwendet – und sich mit Rhythmus und lustvollen Wiederholungen ganz der Erkenntnisarbeit hingibt.

Fast 200 Anläufe nimmt die Erzählerin, um davon zu berichten. Eine sexuelle Begegnung wird seziert, der im allgemeinen eine mythische Dimension angedichtet wird. Bei Birgit Kempker liest sich das anders: als Erinnerungsarbeit, als Ritual, das eine überraschende Sprache findet für das empfindliche Gleichgewicht zwischen Herzeigen und Verstecken.

»Birgit Kempker notiert eine Art von Erinnerungsserie, eine Serie, die jedoch mehr und mehr zum generellen Versuch wird, über die körperliche Begegnung, über die Erinnerung, über Wahrnehmung, nicht zuletzt über das Bezeichnen, das Schreiben.« (Petra Nachbaur)

»Grandios die Idee, bestechend die Form, betörend die Sprache. Die Autorin findet eigene Zeichen für diese Welt und balanciert elegant zwischen Schamlosigkeit und Geheimnis.« (Buchjournal)

»Das poetische Ich in einer Ekstase der Selbsterkenntnis« (Die Wochenzeitung)

Im Herbst 1999 kam es zu einem Verfahren gegen das Buch: jemand erkannte sich in der gleichnamigen Figur des Textes wieder, fühlte sich in seiner Persönlichkeit und seiner Intimsphäre verletzt und verklagte Autorin und Verlag auf Schmerzensgeld und Vernichtung aller noch lieferbaren Exemplare. Das Landgericht Essen gab in seinem Urteil vom 24. Februar 2000 dem Kläger recht – das Buch darf nicht mehr verkauft werden, die Autorin darf nicht mehr daraus lesen.

     

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Stand vom 30. 7. 2003