AUTORENPORTRAIT
LITERATURVERLAG DROSCHL



Julien Gracq

Gracq, »der unangefochtene Halbgott der französischen Literatur« (DER SPIEGEL), »… ein Schriftsteller von großer Meisterschaft – der Leser sollte sich selbst auf Erkundungs-fahrt begeben: er wird mit reichem Gewinn zurückkehren – auch wo er sich wehrt und widersprechen möchte. Das gehört dazu: die Literatur lebt, wie Gracq verdeutlicht, ›wie die Demokratie, nur von Gegenstimmen‹.« (FRANKFURTERRUNDSCHAU)
»Er ist vielleicht der prägnanteste Stilist des zwanzigsten Jahrhunderts und einer der besten Autoren der französischen Moderne.« (FAZ)

Julien Gracq, geboren 1910 in Saint-Florent-le-Vieil, unterrichtete ab 1948 an einem Pariser Gymnasium Geschichte und Geographie, lebt in Paris.
Gracq nimmt seit seinen literarischen Anfängen, die noch im Zeichen des Surrealismus standen, eine dezidierte Außenseiter-Position im Literaturbetrieb ein, mit dem er sich einige Male anlegte; berühmt wurde seine Ablehnung des Prix Goncourt, der ihm für Le Rivage des Syrtes 1951 zuerkannt werden sollte.

Veröffentlichungen (ins Deutsche übersetzt): Auf Schloß Argol (1938, dt. 1987), Die konsumierte Literatur (1950), Das Ufer der Syrten (1951, dt. 1985), Ein Balkon im Wald (1958, dt. 1960), Entdeckungen (1961, dt. 1965), Die Halbinsel (1970, dt. 1993, Droschl), Die engen Wasser (1976, dt. 1985), Die Form einer Stadt (1985, dt. 1989, Droschl), Rom. Um die sieben Hügel (1988, dt. 1993), Der große Weg (1992, dt. 1996).

»Gracq lesen heißt für mich: sich in den Wald führen zu lassen, ohne zu fragen, wie weit oder wohin, ziellos. An Bord des Buches. Das Buch Gracq ist das Boot. Das Buch kommt. Ich steige ein.« (Hélène Cixous)

»Unter der besten Prosa unserer Generationen gibt es keine, die sich nicht zum einen oder anderen Zeitpunkt der seinen erinnert. Hier und da taucht ein Satz Gracqs auf, eine typisch Gracq'sche Wendung, ein unverwechselbar verwendetes Adjektiv, in den vielfältigsten Texten, die seiner Hand nicht entstammen, manchmal, weil wir es so wollen, manchmal aber auch, ohne dass wir es merken, einfach weil Gracq in uns ist.« (Pierre Michon)

»Zurecht gilt Julien Gracq als Meister der Beobachtung und der Formulierung. Nach seinen eigenen Worten über Breton, über Stendhal: Er bringt seinen Stil in das Leben und Leben in den Stil.« (Klaus Zeyringer, Der Standard)




Witterungen II

Aus dem Französischen von Dieter Hornig
2004, 200 Seiten, ISBN 3-85420-683-6, frz. Broschur, € 23,00-

Meisterwerke der reflektierenden Literatur des 20. Jahrhunderts, geschrieben von einem Einzelgänger und Außenseiter, der schon zu Lebzeiten mit der Aufnahme seines relativ schmalen Werks in die Bibliothèque de la Pléiade zum unumstrittenen Klassiker geworden ist.
Unumstritten: dem Zauber von Gracqs Sprache kann sich niemand entziehen. Seine Genauigkeit, seine stilistische Schärfe, die Lebendigkeit und Ungewöhnlichkeit seiner Metaphern – von Dieter Hornig wieder vorzüglich ins Deutsche gebracht – machen ihn zum »vielleicht prägnantesten Stilisten des zwanzigsten Jahrhunderts und einem der besten Autoren der französischen Moderne« (FAZ). Erst spät konnte sich Gracq auch bei uns etablieren, obwohl seine Beziehungen zu Deutschland intensiv, kenntnisreich und von skeptischer Zuneigung sind. Insbesondere sein Naturverständnis verbindet ihn auch mit der deutschen Romantik.
In Witterungen II finden sich Natur- und Landschaftsschilderungen von so magischer Schönheit, wie sie die Betrachtungen und Erzählungen dieses Autors immer schon durchdrungen haben. Als Reiseziele kommen die USA und Skandinavien neu hinzu.
Darüber hinaus enthält dieser Band Erinnerungen an seinen Vater, an die Soldatenzeit im Zweiten Weltkrieg, an frühere Lektüren und Filme, an Gelesenes und Gesehenes – immer in dieser unvergleichlichen Gracq'schen Gleichzeitigkeit von Präzision und Imagination.

»Subtile Landschafts- und Literaturbetrachtungen, einzelne Kindheitserinnerungen, Anmerkungen zur Epoche (…) Gracqs immense Größe hat damit zu tun, daß sein Weltblick stets den Pappelgeruch von den herbstlichen Loire-Wiesen bei Saint-Florent in sich trug. (…) Er steht im Jahrhundert wie ein durchreisender Moralist aus dem Grand Siècle.« (Joseph Hanimann, FAZ)

»Stilistische Meisterschaft (…) ein lebender Klassiker« (Mirko Bonné, WDR)

»Bruchstücke einer großen Konfession von den solitären Erfahrungen des Einzelgängers Julien Gracq mit und in der Welt« (Wolfram Schütte, titel.de)

»Nach dem Muster der Reisenotizen Goethes oder Standhals schlägt das Buch eine Frankreichkarte à la Gracq auf. Unter der Feder nehmen die schattingen Gänge des Jeu de Paume Gestalt an, die kaum geteerten Wege in den Bergen des Cantal oder auch der steile Weg bei Caen, der unter der deutschen Besatzung Sperrgebiet war … große Literatur« (Christine Lecerf, arte)

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Witterungen

Aus dem Französischen von Dieter Hornig
2001, 160 Seiten, ISBN 3-85420-575-9, frz. Broschur, € 24,00-

Seit den 50er Jahren arbeitete Julien Gracq an Aufzeichnungen, kurzen unverbundenen Prosastücken, die er 1967 und 1974 in zwei Bänden veröffentlichte und denen er den Titel Lettrines gab, womit die ornamentalen Schmuckinitialen mittelalterlicher Handschriften bezeichnet werden. Waren die Prosastücke in dem vor 4 Jahren deutsch erschienenen Band Lesend schreiben thematisch eingeengt und um die Fragen von Lektüre und Schreiben gebündelt, so sind die Texte der Witterungen in ihrer Thematik wie auch in ihrer Form höchst unterschiedlich: erzählende und beschreibende Stücke wechseln ab mit ironischen, kritischen und solchen von aphoristischer Knappheit: Marginalien zu Politik und Zeitgeschehen, Landschaftsbilder, Erinnerungen, Leseeindrücke, Urteile wechseln sich ab in bunter Mannigfaltigkeit. Wahrnehmung, Gedächtnis, Erinnerung, das sind die Kräfte, aus denen sich Gracqs Dichtung speist: »ein glücklicher Materialist, der sich mit dieser Erde begnügt. Hier seine Nahrung findet für Geist und Traum.« (Claude Dourguin)

»Die Witterungen tragen die an radikaler Einzelgängerschaft geschärften Züge einer Ernsthaftigkeit, die weder auf Provokation noch auf diplomatische Mäßigung aus ist.« (FAZ)

»Tatsächlich besitzt der französische Romancier eine Spürnase für die kleinen Verwerfungen des alltäglichen Lebens, für die winzigen Differenzen und Aufsplitterungen, denen er mit hermeneutischem Eigensinn nachgeht.« (Neue Zürcher Zeitung)

vergriffen





Lesend schreiben

Aus dem Französischen von Dieter Hornig
1997, 282 Seiten, ISBN 3-85420-448-5, frz. Broschur, € 23,00-

Julien Gracq, der große Einzelgänger der französischen Literatur, ist ein unbestechlicher Beobachter literarischer Trends und ein Leser, der es wie kein zweiter vermag, die Wunder der Lektüre sich und seinen eigenen Lesern zu vermitteln. Was Gracq zu den großen Romanen des 19. Jahrhunderts zu sagen hat, zu Stendhal, Balzac, Flaubert, seine Gedanken zur deutschen Romantik, zu Breton, zu Geschichte, zu Film etc., das sind die Ergebnisse eines lebenslangen Engagements – als Lesender, als Schreibender – und eines brillanten Stils.

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Die Halbinsel

aus dem Französischen von Dieter Hornig
1993, 185 Seiten, ISBN 3-85420-322-5, frz. Broschur, € 15,50-

Ein Nachmittag in der Bretagne. Der Erzähler erlebt nichts besonderes – er hört nur, er spürt, er nimmt wahr. Wir lesen den Bericht des Erzählers von einem Nachmittag, den er – auf die abendliche Ankunft der Geliebten wartend – mit einer Autofahrt entlang der bretonischen Küste verbringt.

Die Halbinsel – dieses 1970 erschienene Buch enthält drei Erzähltexte, darunter den titelgebenden »Roman«, Gracqs letzten fiktionalen Text, vielleicht den für sein Werk repräsentativsten überhaupt. Wo in den beiden kürzeren Texten noch Töne der Romantik, der Phantastik, Anklänge an E.A.Poe zu lesen sind, da befreit sich Gracq in der Halbinsel gänzlich von den Konventionen der Erzählprosa (Figuren, Handlung, Peripetien) und geht von der Imagination zu einer präzisen Anschauung über. Raum und Zeit werden gleichermaßen ausgeleuchtet und erzeugen gerade durch die extreme Genauigkeit der poetischen Wahrnehmung eine ganz selten zu findende Intensität und Spannung.

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Die Form einer Stadt

aus dem Französischen von Dieter Hornig
1989, 128 Seiten, ISBN 3-85420-160-5, frz. Broschur, € 9,50-

Die Form einer Stadt, so schrieb Baudelaire, wandelt sich sprunghafter als das Herz eines Sterblichen. Fünf Jahrzehnte nach seinem Aufenthalt in Nantes als Internatszögling unternimmt Gracq keine nostalgische Spurensicherung. Er entwirft eine atmosphärisch dichte Topologie der Stadt Nantes, er spürt den Verschränkungen von Traum und Wirklichkeit, von Geographie und Phantasie nach.

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Stand vom 29. 7. 2005