AUTORENPORTRAIT
LITERATURVERLAG DROSCHL



Elfriede Gerstl
Elfriede Gerstl wurde 1932 in Wien geboren und überlebte als Jüdin die NS-Zeit in mehreren Verstecken. Sie studierte Medizin und Psychologie, brach das Studium ab, heiratete Gerald Bisinger; Geburt einer Tochter.
Als einzige Frau im Umkreis der Autoren der ›Wiener Gruppe‹ und der frühen Aktionisten, die aus Wien vertrieben wurden, lebte sie in den bewegten 60er Jahren in Berlin, seit 1968 wieder in Wien, wo sie konsequent außerhalb des Literaturbetriebs steht.

Veröffentlichungen seit der Mitte der 50er Jahre; für ihr Werk erhielt sie zuletzt den Erich Fried Preis und den Georg Trakl Preis, 2004 den Ben Witter Preis. Zuletzt erschienen: Alle Tage Gedichte (1999), Die fliegende Frieda (Jugendbuch, 1998), Kleiderflug (1995), Unter einem Hut (1993).

Bei Droschl lieferbar: die Neue Wiener Mischung (2001), Spielräume (Roman, 1977), LOGO(S) (Postkarten, zs. mit Herbert J. Wimmer, 2004) und die mit Herbert J. Wimmer herausgegebene Anthologie Ablagerungen (1989). Über Elfriede Gerstl erschien ein DOSSIER-Band , herausgegeben von Konstanze Fliedl und Christa Gürtler.



Elfriede Gerstl/Herbert J. Wimmer
LOGO(S)
50 Postkarten

Erstausgabe 2004, 50 Postkarten in Schachtel
ISBN 3-85420-654-2 € 19,00

… darf ich Ihnen bitte qualität zumuten … fragt Elfriede Gerstl auf einer Postkarte, und mutet sie uns hiermit in Form von ausgewählten Sprüchen zu, die sie und Herbert J. Wimmer in den letzten Jahren gewissermaßen nebenbei produzierten. Ganz ungeordnet kommen sie daher (reinheit ist mangel an gemischtem, Herbert J. Wimmers »1. mangelkarte«): »romantische karten«, »gewinnorientierungskarten«, »erfrischungskärtchen«, »stresskarten«, »spannungs-« und »entspannungskarten«, »einsichtskarten«, »festtagskarten« etc., Karten für viele Anlässe.

Mail-Art ist, da das e-mail die materialgebundene Form der postalischen Mitteilung abgelöst hat, eine altmodische Kunst geworden. Wer Postkarten verschickt, wer sich Gedanken macht über die Eignung gewisser vorgefundener Botschaften für gewisse Zwecke, arbeitet mit einem Mehrwert an Bedeutung. Und wer diese postalischen Zeichenträger (semioso ma non troppo) nicht gänzlich der Spaß- und Pointenfabrikation überlassen möchte, der findet in dieser schönen Box fünfzig Postkarten, mit denen er oder sie bei halbwegs angeregtem Postverkehr leicht durchs Halbjahr kommen kann.

Beginnen Sie gleich, denn: oid is ma boid / in zehn johr senior!
Und korrigieren Sie sich, falls nötig, und schreiben Sie eine neue Karte, literatur ist das dauernde umpudern des geschriebenen!

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Neue Wiener Mischung

Erstausgabe 2001, 176 Seiten, gebunden
ISBN 3-85420-558-9, € 19,00

Die lakonischste und für hohe (und falsche) Töne wohl am wenigsten anfällige Dichterin Österreichs mischt ihre schon klassische wiener mischung neu durch.

1982 erschien eine Sammlung von Gedichten und Kurzprosa mit dem Titel wiener mischung. Fast 20 Jahre später stellt Elfriede Gerstl nun eine neue Mischung zusammen, die einiges aus dem alten Band wieder aufnimmt, aber neu durchgesehen und vor allem mit jüngeren Texten ergänzt.
Elfriede Gerstls Gedichte und Prosastücke sind von hartnäckiger Diesseitigkeit, Metaphysik – wenn sie sich, selten genug, zwischen ihre Zeilen verirrt – wird mit lockerer Hand erledigt: »wenn die transzendenz was von mir will / i c h kann mich nicht um sie kümmern«.
Natürlich haben diese wunderbar einfachen Gedichte kein Programm, höchstens ein philosophisches: ihr Thema ist das Besondere vor dem Allgemeinen, das Einzelne vor dem System, das Sprachlose vor dem, was per Konsens immer schon zur Sprache kommt. »wien in augenhöhe« heißt ein Text, und die Augenhöhe ist die Perspektive, aus der Gerstls Literatur entsteht – am Schluß auch eine gewisse Trauer über das »Versagen vom Leben zum Tode hin; der alltäglich erfahrene Mißklang ist Gegenstand von Gerstls Gedicht: all die großen Ideale und die Versuche von Wittgenstein, Stirner oder Mauthner, sie zu destruieren«. (Elfriede Czurda)

»Gerstls Sprache ist Bestandteil einer zugleich universell-urbanen und provinziell-wienerischen Phantasie-, Gedanken- und Realwelt, deren verblüffende Strukturen Gerstls Gedichte immer wieder verfremden. Diese Sprache ist das Produkt einer konkreten historischen und geographischen Situation, die die Autorin aber ihrerseits mitgestaltet hat. Reminiszenzen an die sogenannte Wiener Gruppe, an ihre Protagonisten, ihre dichterischen Verfahren, ihren Lebensstil, ihre Mythen sind kein Zufall.« (Thomas Rothschild)

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Spielräume

2. Auflage 1993, 103 Seiten, Broschur
ISBN 3-85420-325-X, € 11,50

Spielräume ist eine Sammlung von Gedankensplittern, tagebuchartigen Notizen und experimentellen Arrangements, in deren Zentrum eine Frau namens Grit steht, die sich in der Berliner linksintellektuellen Szene der sechziger Jahre bewegt. Grit ist Teil einer Gruppe österreichischer Emigranten, die sich aus der heimatlichen Enge in die »Frontstadt« abgesetzt haben, wo sie nun herumgammeln: Man zieht von Party zu Party, säuft und kifft, diskutiert in den Kaffeehäusern und plant wilde Aktionen.

»Elfriede Gerstl arbeitet zurückhaltend mit formalen Mitteln, die die literarische Avantgarde der fünfziger und sechziger Jahre bereit gestellt hat. Sie spielt mit Zitaten, stellt Formeln und Floskeln bloss, repetiert und variiert sie, bis ihre untergründigen Zusammenhänge sichtbar werden. Sie setzt diese Mittel ebenso souverän wie unprätentiös ein.« (Neue Zürcher Zeitung)

»Das U-Boot-Phänomen Gerstl – die Autorin schreibt seit den fünfziger Jahren und blieb auf dem Literaturmarkt doch nahezu unbekannt – hat zu meinem bitteren Glauben beigetragen, daß, entgegen allem euphorischen Gerede, hierzuland und jetztzuzeit ein bedeutender Autor, besonders eine Autorin, sehr wohl unpubliziert bleiben und ohne weiters auch zu Tode ignoriert werden kann.« Andreas Okopenko schrieb diesen Satz anläßlich der ersten Ausgabe von Spielräume in der edition neue texte 1977.

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Ablagerungen

Hrsg. von Elfriede Gerst und Herbert J. Wimmer

Erstausgabe 1989, 70 Seiten, Broschur
ISBN 3-85420-254-7, € 12,50

Der Band vereint Beiträge zum Thema Ablagerungen von Josef Haslinger, Bodo Hell, Elfriede Jelinek, Marie-Thérèse Kerschbaumer, Werner Kofler, Friederike Mayröcker, Kurt Neumann, Andreas Okopenko, Cora Pongracz, Ferdinand Schmatz, Franz Schuh, Liesl Ujvary und Herbert J. Wimmer.

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Stand vom 7. 2. 2006