AUTORENPORTRAIT
LITERATURVERLAG DROSCHL



Albert Drach
Albert Drach, geboren 1902 in Mödling, gestorben ebenda 1995, Rechtsanwalt, von 1938 bis 1949 im Exil in Südfrankreich, galt stets als außenseiterische Figur im Literaturbetrieb. Sein Roman Das große Protokoll gegen Zwetschkenbaum (1964), zugleich erster Band einer Werkausgabe, trug dem Autor endlich die Anerkennung ein, die ihm in den Dreißigerjahren verwehrt geblieben war. Aber auch diese späte Ehrung verhinderte nicht, daß Drach wieder vergessen wurde. 1988, mit der Zuerkennung des Büchner-Preises nach der Veröffentlichung seines Exilberichts Die unsentimentale Reise, setzte seine endgültige Rehabilitation in der (literarischen) Öffentlichkeit ein; 1993 erhielt er den Grillparzer-Preis.
Albert Drach wäre am 17. Dezember 2002 100 Jahre alt geworden.



Das Beileid

Roman
211 Seiten, ISBN 3-85420-343-8, € 23,00

Nizza, ein Jahr nach Kriegsende: ein nicht zur Arbeit legitimierter, exösterreichischer Emigrant unternimmt den Versuch, seinem Leben durch Erstickungstode ein Ende zu setzen. Doch im Luftzug zwischen der engen Kammer und dem angrenzenden Klosett verflüchtigt sich das ausströmende Gas, wird das erstrebte iBeileid verfehlt. Ins Leben zurückgeworfen, aber den Blickwinkel eines Toten beibehaltend, beschließt jenes Ich, Aufzeichnungen zu führen und angefangene Arbeiten, wie z.B. den Roman Unsentimentale Reise zu Ende zu schreiben. Was dabei entsteht, ist ein sehr eigenwilliges Kompositum aus Rechenschaft, Selbstbeobachtung und flüchtig wirkenden Aufzeichnungen aus dem Alltag des Exils. Durchsetzt mit Selbstironie und Verbitterung legt Drach mit diesem Text eine neue Variante des Protokolls vor - eine eindringliche Bilanz seiner Lebens- und Schreiberfahrungen. Daß das wundgeriebene Ich an den Miseren seiner Existenz doch nicht zugrundegeht und sich entschließt zur Rückkehr, um am österreichischen Los zu tragen, verdankt es seinen literarischen Projekten, verwirklichten wie gescheiterten oder in Verlust geratenen. Wie in keinem anderen Text gewährt Drach im Beileid Einblick in die eigene Werkgeschichte, klärt Zusammenhänge, berichtet von seinen mühsamen Anstrengungen, Texte zu rekonstruieren oder sie Verlegern - zumeist erfolglos - anzupreisen.

Als ich aus diesem Traum heraustrat, war mein zweites Leben noch nicht fällig, aber ich erwachte gründlich. Der blutige Teil meiner Erinnerung war schon hinter mich gebracht, der Rest einschließlich der hinzunehmenden Leichen würde wässrig schmecken. Ich gehörte der Sprache nach einem geschlagenen, der überwiegenden Herkunft folgend, einem geopferten Volk an …

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DOSSIER 8

Albert Drach. Herausgegeben von Gerhard Fuchs und Günther A. Höfler
411 Seiten, ISBN 3-85420-406-X, € 31,00

Dieser Band über Albert Drach enthält Beiträge zu Leben, Werk und Rezeption. Dazu kommen aktuelle Analysen, Kritiken und Essays zu zentralen Aspekten des Werkes sowie eine vollständige Bibliographie.
Die Beiträge im Einzelnen:
Wendelin Schmidt-Dengler: Wider die verzuckerten Helden. Ein Gespräch mit A. D.
André Fischer: "Der Zynismus ist ein Anwendungsfall der Ironie". Zum Humor bei A. D.
Bernhard Fetz: Das Opfer im Zerrspiegel. Zu A. D.s autobiographischen Texten
Gerhard Fuchs: Männer, Mütter, Mädel. Die Funktionalisierung des Weiblichen bei A. D.
Reinhard Schulte: A. D.s Stücke
Matthias Settele: Nach den Gesetzen geschlachtet. Recht und Gerechtigkeit bei A. D.
Günther A. Höfler: "Wenn einer ein Jud ist, ist das Schuld genug". Aspekte des Jüdischen im Werk A. D.s
Sonja Vikas: Der Außenseiter A. D.
Eva Schobel: A. D. - Ein lebenslanger Versuch zu überleben (Vita)
Eva Schobel: Bibliographie A. D.

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Stand vom 11. 12. 2002