Buchcover
Miguel de Unamuno

Plädoyer des Müßiggangs

ESSAY 31
1996
kartoniert , 11,5 x 18 cm
74 Seiten
Ausgewählt und aus dem Spanischen übersetzt von Erna Pfeiffer
ISBN: 9783854204428
€ 11,50

AUTOREN

Textauszug

Bei meinem letzten Aufenthalt in Portugal, zur heißesten Tageszeit, als sich die Trägheit meines Körpers und meiner Seele bemächtigte, vertrieb ich mir die Zeit damit, aufs Bett hingestreckt langsam Lord Byron zu lesen. Von Zeit zu Zeit ließ ich das Buch sinken, um … nachzudenken?, nein, um mir allerhand Luftschlösser zusammenzuphantasieren.

Zuweilen raffte ich mich dazu auf, an den Balkon zu treten, um einen Augenblick lang das Meer zu betrachten, das da träge am Strand ausgestreckt lag. Und das Gluckern des Ozeans, vermischt mit den Echos von Lord Byron, der diesen so sehr geliebt hatte, half mir, weiterhin Dinge ohne festen Umriß und Substanz zusammenzuphantasieren. In meinem Geist herrschte eine poetische, das heißt aber: schöpferische Situation, welche die Trägheit hervorruft. Denn der Dichter ist zuallererst ein Faulenzer, ein Nichtstuer, und das sage ich zum Lob des Poeten.

Will ich etwa ein Loblied auf die Faulenzerei anstimmen, ich, der ich als arbeitsamer und aktiver Mensch gelte? Ja, ich möchte – zumindest teilweise – ein Loblied aufs Nichtstun singen; ich will euch sagen, daß der Müßiggänger einer der aktivsten Menschen ist.

Was fällt dem Müßiggänger tatsächlich nicht alles ein, um die Zeit totzuschlagen? Was fällt einem selbst nicht alles ein, um die Schlafstellung zu wechseln?

Jemand hat einmal gesagt, nichts sei so inspirierend wie das Gefängnis und in ihm, im Gefängnis, seien einige der dichtesten Werke geschrieben worden, darunter auch der Quijote. Und ist die Trägheit etwa kein Gefängnis, in dem die Seele gefangen sitzt?

Die Essays stammen aus den Jahren 1908 bis 1916 und zeigen den Autor als Träumer und Spaziergänger, der seinem Hang zur streitbaren Polemik nur selten nachgibt, wie z. B. in dem Essay Die Pflicht und die Pflichten, wo er nahezu wütend mit Tugenden wie Dogmatismus, Intoleranz und blindem Gehorsam aufräumt.

Unamuno »ist eine Herausforderung, die auch sechzig Jahre nach seinem Tod nichts von ihrer Radikalität verloren hat, ein Autor, der sich Auseinandersetzung und Widerspruch geradezu verdient hat, will man ihm in seiner Heterodoxie gerecht werden, aber auch ein Autor, der nach wie vor und immer wieder mit großem Genuß zu lesen ist.« (Erna Pfeiffer im Vorwort)

Presse

»Es kann gar nicht genug Plädoyers geben wie die des verschrobenen Weisen Miguel de Unamuno.« (Andreas Nentwich, Die Zeit)

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