Buchcover
Bodo Hell

Nothelfer

ESSAY 60
2008
kartoniert , 11,5 x 17,5 cm
ca. 128 Seiten
ISBN: 9783854207467
€ 15,00
als ebook erhältlich

AUTOREN

Textauszug

Weinstock/Reben
(Urban, Othmar etc.)

vom Wein bei den Hebräern, Ägyptern, Griechen, im Christentum … und im rückläufigen Wörterbuch

nach jüdischer Vorstellung war der Baum der Erkenntnis kein Apfelbaum, sondern ein Weinstock: es wird erzählt, die Sintflut sei zerstörerisch sogar in den Garten Eden eingedrungen und habe dort auch den Baum der Erkenntnis zuerst unterspült und dann mit ihren Wassermassen hinweggeschwemmt, Noah, dessen Name ›Trost‹ bedeutet und der den Weinstock nach der Flut auffindet, pflanzt ihn wieder ein, erntet die Trauben, keltert und vinifiziert, trinkt kräftig, weiß aber die Wirkung des Weins nicht richtig einzuschätzen und fällt in Tiefschlaf, während sich seine Leibesmitte unordentlich entblößt (er wird also vor seinen drei Söhnen, von denen das ganze weitere Menschengeschlecht abstammt, zu Schanden, wie es heißt, Noah gibt sich also im wahrsten Sinne des Wortes eine Blöße, diese Schande Noahs geht in die Tradition ein), wobei sein jüngster Sohn Ham sich wohl hämisch über ihn geäußert haben dürfte (und zur Strafe den beiden anderen als Knecht dienen mußte und verflucht wurde), während Sem und Japhet (das Gesicht abgewandt) des Vaters Blöße fürsorglich bedeckt haben sollen

wie also das erste Paar (nämlich Adam und Eva) in Schande gefallen war, da es von einer verbotenen Frucht gegessen und dann erst seine Blöße bemerkt und schnellstmöglich bedeckt hatte, so hat auch das zweite (neue) Menschengeschlecht nach der Sintflut schändlich gehandelt, d.h. seine Laufbahn mit Schande begonnen, auch hier wieder als Folge eines besonderen Fruchtgenusses, richtiger: Fruchtproduktgenusses

Die vierzehn Nothelfer – das sind Heilige, die schon in der Ostkirche, spätestens aber im 15. Jahrhundert als Heilsvermittler für die Gläubigen auftreten und deren Kult ganz bestimmte volkstümliche Ausprägungen aufweist, mit speziellen Insignien und Legenden.

Bodo Hell, schon vielfach ausgewiesener Kenner alpiner Mythologien, rückt dem Phänomen mit urbanen, hochliterarischen Methoden zu Leibe. In mehreren Anläufen stellt er dieses ethnologisch reichhaltige Feld dar und macht es so vielfältig begreifbar: sei es als Heiligenvita, sei es als Wallfahrts- oder Prozessionstext, als Litanei oder kunsthistorische Betrachtung. Hells beeindruckend enzyklopädisches Wissen und seine weit offenen Augen und Ohren sind Garanten für eine wahrhaft ›hilfreiche‹ – und nicht unbedingt fromme – Lektüre in allen Lebenslagen.

Presse

»Wer sich mit all den Heiligen nicht mehr auskennt, dem steht mit Bodo Hell jetzt ein profunder Führer zur Seite.« (Paul Jandl, NZZ)

Hells Texte »sind nicht aus der offiziellen Lithurgie, sondern aus dem Volksglauben hervorgegangen. Die heute verschütteten Rituale lässt Hell anekdotenreich und angereichert mit einem großen Hintergrundwissen aufleben.« (FAZ)

»Aus Hell sprudelt es. Aufklärung, Wissensraffung, Informationsakkumulierung in bester Hellscher Art und Dichte. (…) Die Arche Hell rettet in Vergessenheit Geratenes.« (Markus Köhle, Literaturhaus Wien)

Bodo Hells »unkonventionelle Zugang macht die Lektüre spannend und lässt den Leser ganz tief in die faszinierende Welt der alpenländischen Mythologie eintauchen.« (Tiroler Tageszeitung)

»Sowohl durch seine gefinkelte Machart als auch durch den Materialreichtum verspricht der ›Nothelfer‹-Essay gewinnbringende Lektüren « (Paul Pechmann, Falter)

»Hells beeindrucktendes enzyklopädisches Wissen und seine weit offenen Augen und Ohren sind Garanten für eine wahrhaft ›hilfreiche‹ Lektüre in allen Lebenslagen.« (Rupertusblatt)

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