AUTORENPORTRAIT
LITERATURVERLAG DROSCHL



Wolfgang Bauer

»Wenn er einen Wienerwalzer tanzt, zieht er tiefe Furchen durchs Parkett. Er hat einen knallroten Kopf, er zischt und raucht, er juchzt. Damen in Ballroben drehen sich nach ihm um. Seine Leber möchte ich persönlich nicht kennenlernen. Ich bin allerdings ein Hypochonder, er nicht, er schlägt mit seiner Faust zu, bevor sich ein Todesgedanke in seiner Seele bilden kann. Das kann er nun wirklich nicht ausstehen, dieses beständige An-den-Tod-Denken, da stemmt er schon lieber einen Wirtshaustisch hoch und läßt ihn einem Gast, einem Schuldirektor aus Kärnten, auf die Füße fallen. … Aber Herrgott, was ihm im Lauf eines Tages alles einfällt, zum Herrgott und zu anderen Themen. Wie er nur schon angezogen ist! Sein Anzug ist etwa so, als säße ich am Karfreitag mit einem Alphorn in der Hand in meiner Dorfkirche. …«
Urs Widmer über Wolfgang Bauer

Österreichs lustigster Trivialautor, Verfasser von Zeitdokumenten, Naturalist, gesellschaftskritischer Neorealist, Autor des absurden Dramas, ordinär, pornografisch, Magic Wolfi – so die Urteile von Kritikern zur Person Wolfgang Bauer.

Wolfgang Bauer, 1941 in Graz geboren und 2005 hier verstorben, entzog sich zeitlebens erfolgreich allen literaturbetrieblichen und germanistischen Versuchen, mit einem Etikett versehen und einer Schriftsteller-Kategorie zugeordnet zu werden. Hauptsächlich als Dramatiker irritierend (seit 1968, Magic Afternoon-Uraufführung), waren doch seine Auftritte als Lyriker, Romancier und Feuilletonist äußerst erfolgreich und populär, im gleichen Ausmaß, in dem sie die Anforderungen der Gattung jeweils nicht erfüllten.

»Wolfgang Bauer provoziert auf der Höhe der Zeit: Waren es in den aus der Bigotterie in die sexuelle Revolution ausbrechenden mittleren sechziger Jahren anarchische Schocker wie Magic Afternoon und Change, so sind es in den späten Werken die Werte der ›Wende‹, die ins Surreale stilisiert werden: Religion und Bildungsgut, Tüchtigkeit und kulturelles Erbe verzerren sich zum irrwitzigen Panoptikum.« (BASTA)

Lesen Sie mehr über Wolfgang Bauer in unserem DOSSIER-Band über ihn.



Wolfgang Bauer Werke
hrsg. v. Gerhard Melzer

Die nun in bereits 9 Bänden vorliegende Werkausgabe macht Bauers literarisches Œuvre erstmals in übersichtlicher, chronologisch geordneter Form zugänglich. Im Anhang jedes Bandes finden sich Belege zu Umfeld und Genese der Prosatexte und Stücke nebst Hinweisen auf erste Aufführungen.


Band 1: Einakter und frühe Dramen

Mit einem Nachwort von Manfred Mixner
311 Seiten, Broschur, 1987, ISBN 3-85420-126-5, € 19.-

Dieser Band vereinigt erstmals und in chronologischer Reihenfolge alle Bühnentexte, die Bauer von 1961 bis 1965 geschrieben hat.
Dazu kommen die experimentellen Mikrodramen.

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Band 2: Schauspiele 1967 – 1973

Mit einem Nachwort von Herbert Gamper
229 Seiten, Broschur, 1986, ISBN 3-85420-082-X, € 15,50

Die »klassischen« Theaterstücke, die Bauers Popularität und Ruhm begründeten – Magic Afternoon, Change, Film und Frau, Silvester oder Das Massaker im Hotel Sacher, Gespenster.
»Sie reizt heute wieder, die ›Power‹, die in den Stücken mit den kaputten Typen … steckt.« (Bernd Schmidt)

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Band 3: Schauspiele 1975 – 1986

Mit einem Nachwort von Martin Esslin
261 Seiten, Broschur, 1986, ISBN 3-85420-091-9, € 14.-

»Bauer im Clinch mit dem Schund. Er geht dabei k. o. Das Sympathische: er stürzt sich, ungeschützt, in diese Schlacht der Trivialitäten und der Privatmythen. Er teilt aus und er steckt ein.« (AZ)
Deutlicher noch als die populären Stücke der frühen siebziger Jahre zeigen die in diesem Band gesammelten Schauspiele – Magnetküsse, Memory Hotel, »Woher kommen wir? Was sind wir? Wohin gehen wir?«, Das kurze Leben der Schneewolken, Ein fröhlicher Morgen beim Friseur, Herr Faust spielt Roulette –, daß Bauer im Begriff des naturalistischen, neorealistischen Dramatikers nicht aufgeht, sondern ein Theater der Bilder entwirft, dem es um die szenische Veranschaulichung ideeler Zusammenhänge geht.

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Band 4: Der Fieberkopf. Roman

Mit einem Nachwort von Wendelin Schmidt-Dengler
189 Seiten, Broschur, 1986, ISBN 3-85420-093-5, € 14.-

Das »wildgewordene Gebilde« von Bauers einzigem Roman – erstmals 1967 erschienen – der ursprünglich Reise zum Gehirn heißen sollte, ist eine phantastisch-surreale Expedition durch das Bewußtsein zweier Freunde, ein völlig verrückter Briefroman, ein Klassiker.

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Band 5: Gedichte

Mit einem Nachwort von Gerhard Melzer
188 Seiten, Broschur, 1992, ISBN 3-85420-231-8, € 19.-

In diesem Band sind erstmals alle Gedichte Bauers, die er selbst zur Veröffentlichung bestimmt hat, gesammelt. Seit Wolfgang Bauer schreibt, schreibt er auch Gedichte. Die lyrische Produktion steht kaum je im Vordergrund seines Schaffens, aber sie begleitet und umspielt sie. Themen und Motive, die sein dramatisches Werk bestimmen, tauchen abgewandelt auch in den Gedichten auf; und manchmal kehrt der komprimierte lyrische Ausdruck in Kurzform hervor, was das Bühnenstück in komplexe Strukturen auseinanderfaltet.

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Band 6: Kurzprosa, Essays und Kritiken

Mit einem Nachwort von Rolf Schwendter
291 Seiten, Broschur, 1989, ISBN 3-85420-144-3, € 19.-

»Versammelt sind in dem Band auch höchst vergnügliche Texte aus der frühen Schaffenszeit des Dramatikers, die einen fabelhaften Rückblick auf die schriftstellerische Entwicklung Wolfgang Bauers gestatten.« (NZ)

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Band 7: Filme und Fernsehstücke

Mit einem Nachwort von Wilhelm Hengstler
288 Seiten, Broschur, 1995, ISBN 3-85420-389-6, € 23.-

Wolfgang Bauers Arbeiten für Film und Fernsehen setzen, ähnlich wie seine frühen Mikrodramen, bestimmte Zuschauererwartungen voraus: sie rechnen mit massenhaft verbreiteten Trivialvorstellungen und Mythen, sie zitieren Inhalte und Darstellungstechniken populärer Genres: der Familienserie, des Kriminal-, Sex- und Heimatfilms oder des Abenteuer- und Westerngenres. Soweit die Drehbücher überhaupt realisiert wurden, waren die Film- und TV-Arbeiten Bauers aufgrund ihres parodistischen und grotesken Witzes große Publikumserfolge.
Abgedruckt sind in diesem Band der Werkausgabe Bauers erstes Fernsehspiel Die Edeggerfamilie (entstanden 1970, erstmals gesendet 1972), das Filmdrehbuch Häuptling der Alpen (1974), der Pilotfilm zur Fernsehserie In Zeiten wie diesen (1983), das Drehbuch zum Kriminalfilm 22, schwarz… (1987) und der 1994 entstandene Text Der Weihnachtstraum.

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Band 8: Schauspiele 1988 - 1995

308 Seiten, Broschur, 1996, ISBN 3-85420-431-0, € 31.-

Dieser dritte Band mit Wolfgang Bauers ›abendfüllenden‹ Stücken im Rahmen der Gesamtausgabe enthält die Schauspiele Das Lächeln des Brian DePalma, »Ach, armer Orpheus!«, Insalata mista. Boulevard-Komödie, Die Kantine. Capriccio à la Habsburg, Die Menschenfabrik und Skizzenbuch.

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Band 9: Foyer und andere Stücke

192 Seiten, Broschur, 2004, ISBN 3-85420-664-X, € 19.-

Der neunte Band von Wolfgang Bauers Werkausgabe enthält die Stücke von den späten 90er Jahren bis zur Gegenwart:
Ein schrecklicher Traum, Café Museum – Die Erleuchtung, Café Tamagotchi, das Hörspiel Dream Jockey sowie sein jüngstes Stück, Foyer, das im Herbst 2004 im Rahmen des ›steirischen herbstes‹ uraufgeführt wird.
Seine jüngsten Stücke ziehen dem Zuseher auf die gewohnt skurrile Bauer'sche Weise den Boden unter den Füßen weg, unterwandern die Glaubwürdigkeit des Gegensatzes von Realität und Illusion und spielen mit allen Sicherheiten, die das Subjekt im Leben (und auf der Bühne) haben kann.
Bauer nimmt es leichthändig mit gewichtigen Trivialmythen auf (Androiden auf der Bühne?), lässt Stars des Kulturbetriebs auftreten (Pavarotti), und verwandelt das Radio noch einmal in einen Ort des Schreckens (wie Orson Welles mit seinem berühmten Science fiction-Hörspiel).

»Der neunte Band der Werkausgabe zeigt mit den neuen und neuesten Stücken die analytische Schärfe, in der Bauer dramatisch-komische Spielanordnungen mit doppelbödigem Witz in Gang zu setzen versteht, der alsbald in Aberwitz kippt. An eingangs simplen Umständen können sich so Abgründe des Bewußtseins und der Bedeutung erweisen. Darin ähneln Bauers Spiele den besten filmischen Arbeiten der Gebrüder Coen.« (Kurt Neumann, Alte Schmiede)

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Batyscaphe 17–26 oder Die Hölle ist oben.

48 Seiten, mit 12 Zeichnungen des Autors, 300 Exemplare, signiert, gebunden,
1980, ISBN 3-85420-009-9, € 27.-

Dieser 1982 uraufgeführte Einakter führt deutlich vor Augen, wieviel Bauer vom französischen absurden Theater gelernt hat, wie eigenständig und originell er auch mit den Veratzstücken des philosophischen Existentialismus umzugehen weiß.
Die Bühne: eine Taucherkugel; die Personen: zwei Lebende (einer davon nur hörbar, nicht zu sehen) und sechs Tote! Auch die surrealistisch-absurden Skizzen zu unmöglichen Bühnenaufführungen stammen vom Autor selbst.

»Eine phantastische, verrückte Geschichte, in der Wirklichkeit und Traumwelt ineinanderfließen und deren surrealer Witz den Zuschauer entzückt.« (NZ)

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Pfnacht. Komödie in 3 Akten

76 Seiten, 300 Exemplare, signiert, gebunden, 1980, ISBN 3-85420-005-6, € 27.-

Diese 1982 uraufgeführte Komödie folgt bereits der formal-realistischen Tradition: es ist eine Kriminalgeschichte, deren Protagonist, der Dichter Pfnacht (in immer neuer Gestalt begegnet er uns in späteren Stücken wieder), ohne Rücksicht auf die Grenzen der Legalität lebt – eine der Variationen des asozialen und amoralischen Bohème-Helden der dramatischen Welt Wolfgang Bauers.

»Die Komödie, in der es um Mord oder auch nicht, um Kleinstadtträume, Gendarmenübermut und einen seltsamen Lyriker geht … ist ein glänzend geschriebener Jux ohne speziellen Tiefsinn, aber voll köstlichem Hintersinn.« (DIE PRESSE)

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Ein fröhlicher Morgen beim Friseur

Text Materialien Fotos
Hrsg. v. Gerhard Melzer und Michael Muhr
80 Seiten, 25 Abbildungen, Broschur, 1983, ISBN 3-85420-041-2, € 7,50

»… dieses surrealistische Nonsensstück … das hat keine Tiefe, keinen doppelten Boden und kein Anliegen. Das Publikum soll hinschauen und das Ganze einfach zum Lachen finden – sonst nix.« (Wolfgang Bauer als Regisseur der Uraufführung in Graz 1983)

Der Band enthält neben dem Stück auch einen Essay von Bauer-Kenner Gerhard Melzer, Fotos und einen Text zu den Probearbeiten sowie diverse Haarspaltereien von Friedrich Hebbel bis Karl Valentin.

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H. C. Artmann + Wolfgang Bauer: Hirn mit Ei

Jazz und Lyrik live
Schallplatten-Aufnahme einer Live-Veranstaltung 1981
manuskripte Edition, LP, 1981, ISBN 3-85420-025-0, € 12,50

H. C. Artmann spricht Dialektgedichte aus Med ana schwoazzn dintn, Lautgedichte und Verse aus Allerleirausch. Wolfgang Bauer liest aus seinem Gedichtband Das Herz. Begleitet werden die beiden von Saxophon und Klavier, gespielt vom »besten Jazz-Duo der Welt« (Wolfgang Bauer über Hans Koller und Fritz Pauer).

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DOSSIER 7 WOLFGANG BAUER

hrsg. v. Walter Grond und Gerhard Melzer
362 Seiten, Broschur, 1994, ISBN 3-85420-377-2, € 23.-

Beiträge zu Leben, Werk und Rezeption Bauers mit Analysen und Essays zu zentralen Aspekten seines Werkes sowie eine vollständige Bibliographie.

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BauerPlay

Ein Buch für Wolfgang Bauer
Hrsg. v. Gerhard Melzer und Paul Pechmann
158 Seiten, 2001, ISBN 3-85420-584-8, € 23.-

BauerPlay versammelt Texte und bildnerische Arbeiten von Bauers Kollegen, Wegbegleitern, Förderern und Freunden.

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Stand vom 31. 1. 2006