AUTORENPORTRAIT
LITERATURVERLAG DROSCHL



Bettina Baláka

Bettina Baláka, 1966 in Salzburg geboren, studierte Englisch und Italienisch und lebt nach mehreren Auslandsaufenthalten (England, USA) in Wien. Für ihre Werke erhielt sie neben mehreren Stipendien auch den Rauriser Förderpreis, den Alfred Gesswein-Preis für Lyrik, den Förderpreis der Stadt Wien und den Preis für Kurzprosa der Akademie Graz, den Meta-Merz-Preis, den Literaturpreis "freies lesen" und den Österreich 1 Essay-Preis.
Nach dem Lyrikband Die dunkelste Frucht, 1994, erschienen die Erzählungen »Krankengeschichten« (Droschl 1996): die Kritik rühmte die »reiche, phantasmagorische Bildsprache« dieser »Geschichten, die das Versteckte ans Tageslicht bringen«. Zwei Jahre später folgen die road movies. 9 versuche auszubrechen (Droschl 1998), im Frühjahr 2000 der Roman Der langangehaltene Atem, im Herbst 2000 der preisgekröne Essay Messer, im Herbst 2002 den Erzählband Unter Jägern.
Die beiden Theaterstücke Steinschlag und Zu dünn, zu reich wurden 2001 in Wien bzw. in Graz uraufgeführt.
Bettina Balàka hat auch eine eigene homepage: www.balaka.at




Unter Jägern
Erzählungen

2002, 140 Seiten, gebunden, ISBN 3-85420-610-0, € 15.-

Eine Frau verbringt ihre Ferien in Kreta und reist, sich und die fremde Umgebung genau registrierend, über die Insel; eine andere bricht aus der Stadt aus, um sich mitten in der Idylle des Landlebens plötzlich der Jagdsaison gegenüberzusehen; Barbara verbringt ganz unspektakulär einen Tag allein zuhause; eine alleinerziehende Mutter gerät in die Schlingen von Vater Staat und seinen »fürsorgenden« Helferinnen.

Mit großer Sinnlichkeit erfindet die Autorin Geschichten von Frauen, die ihr Leben meistern. Fast immer geht es gut aus: sie sind im allgemeinen autonom, sie sind unabhängig und können in jeder Hinsicht für sich selbst sorgen.
Der Mut, der die Erzählfiguren auszeichnet, bestimmt auch die Richtung dieses Schreibens: genau, wachsam registriert es die Gewinne und Verluste gegenwärtiger weiblicher Lebensformen.

»Man soll sie nicht unterschätzen, die Frau, die hier mit ihren Frauenfiguren zu Werke geht: ihre sprachliche Reichweite und ihre Wandlungsfähigkeit imponieren.« (Hubert Lengauer, Kolik)

Diese Erzählungen sind »mit jedem Satz eine Herausforderung, sich einzulassen, mitzufühlen und mitzudenken.« (Jutta Kleedorfer)

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Messer

2000, 40 Seiten, frz. Broschur, ISBN 3-85420-553-8, € 7,50-

Wie mit den Mitteln der plastischen Chirurgie unsere Körper – und das heißt, entgegen anderslautender Propaganda, vor allem die Körper der Frauen – geöffnet und neu gestaltet werden, wie in den allgegenwärtigen Talkshows die bisher gültigen Bereiche von Innen und Außen abgeschafft werden, darin sieht Balàka nicht nur Symptome eines sich wandelnden Öffentlichkeitsbegriffs, sondern vor allem die Intensivierung des Kampfes gegen weibliche Selbstbestimmung. In einer wütenden Attacke wendet sie sich nicht nur gegen die Messer in der Hand der Chirurgen, sondern gegen die Messer im Kopf der Frauen selbst, »mit ihren Korsettkörperchen und angepaßten Gedanken, die im Fernsehen flöten: ›Wir haben so viel Freiheit wie nie zuvor!‹«

Die Polemik von Bettina Balàka richtet sich aber auch gegen eine Sprache, die mit pubertärer Freude am politisch Inkorrekten wieder die längst abgeschafft geglaubten Diffamierungen des (auch hier in erster Linie weiblichen) Geschlechts inthronisiert.

Ein wesentlicher, ganz und gar nicht prüder Beitrag in der Debatte um das Verschwinden der Privatheit und die Pornographisierung unserer Kultur.

»Es ist ein wahres Vergnügen zu lesen, wie da eine in so geschliffener Sprache aufräumt mit den neoliberalen Beschönigungen der Tatsache, daß das Patriachat des 21. Jahrhunderts – kommerziell erfolgreich – die Messer wetzt und sich die Frauen nach Lust und Laune beschneidet und begradigt und zurechtstutzt.« (Helga Pankratz in anschläge)

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Der langangehaltene Atem
Roman

2000, 152 Seiten, geb., ISBN 3-85420-533-3, € 19,00-

Bettina Balàka erzählt in ihrem ersten Roman von scherzhaften Lieben, von mißverstandenen Affairen, endgültigen Trennungen und gescheiterten Leben, ihr Tonfall aber bleibt dabei immer lakonisch und verfolgt die Manöver unseres Überlebens mit Sarkasmus.

»Ich denke, die Aufgabe der Kunst ist es, aus dem Leben eine Melodie herauszusägen, eine Folgerichtigkeit. Aus Chaos und Verwirrung einen Faden zu ziehen, ihn zu verhäkeln zu einem Gewebe, zu Akkorden und Harmonien und Mustern.« Die das brieflich mitteilt, ist die Erzählerin in diesem Roman, eine Malerin nach der Natur. Sie steht in Briefwechsel mit ihrem anonymen, unbekannten Auftraggeber, aber auch mit Freundinnen, Freunden und Geliebten. Die Kunst, die Liebe und das Geschlecht sind die Themen der Briefe und Gespräche und da die diversen (männlichen) Entwürfe von Weiblichkeit im Zentrum stehen, spielen natürlich ihr schwuler Freund Alfred und ihre transsexuelle Freundin Venezuela die wichtigste Rolle.

Ein Roman, in dem die zeitgenössischen Inszenierungen von Weiblichkeit und Männlichkeit, von Kunst und Natur, mit Eleganz und Leichtigkeit vorgeführt werden.

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road movies
9 versuche aufzubrechen

1998, 120 Seiten, geb., ISBN 3-85420-483-3, € 15,50-

»Eines ist sicher: In diesen road movies gibt es keine Langeweile, auch nicht für Anspruchsvolle.« (DIE PRESSE)

Aufbrechen, den Alltag hinter sich lassen, Traumstrände, Traumziele in paradiesischer Natur – wem sind diese zu kaufbaren Wunscherfüllungen degenerierten Sehnsüchte nicht bekannt? In neun Anläufen erzählt Bettina Balàka von Menschen, insbesondere von Frauen, deren Ausbruchsphantasien bis ins Herz des Wunsches hinein von Entfremdung durchwirkt sind.

»Anstatt Geschichten im herkömmlichen Sinn zu erzählen, skizzieren die Road Movies virtuos Befindlichkeiten und ähneln damit mehr Dokumentar- als Spielfilmen. Ob die Heldinnen ihr Schicksal bedauern, sich Traumbildern, Erinnerungen, Hoffnungen oder religiösen Verzückungen hingeben: die Sprach-Kamera läuft ständig mit, leuchtet die dunkelsten Ecken des Bewußten und Unbewußten aus, wodurch mitunter monströse Schattenbilder erscheinen.« (SALZBURGER NACHRICHTEN)

»Mit großer poetischer Kraft durchmißt Bettina Balàka die Imaginationsräume der Sprache.« (DER STANDARD)

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Krankengeschichten

1996, 118 Seiten, Broschur, ISBN 3-85420-440-X, € 15,50-

Bettina Balàkas »Krankengeschichten« sind keine Geschichten, die der Arzt über die Kranke formuliert, in denen eine diagnostizierende Sprache die Krankheit als Symptomhäufung festschreibt – in diesen »Krankengeschichten« sprechen die Erzählerinnen von ihren Leiden, die manchmal Schmerzen, manchmal nur Irritationen sind. Neun Erzählungen, in denen die Symptome, statt festgehalten zu werden, sich nach und nach auflösen in immer größerer Ungewißheit und nur eine Gewißheit zurücklassen: daß die Schwäche Kraft hat über mich, und daß ich lieber sterben möchte als stören, daß ich umsonst alles kontrolliert habe, da sich alles meiner Kontrolle entzieht, wie es am Ende einer Geschichte heißt.

Es sind aber auch Geschichten, die von der Lust am Anderssein zeugen, von der Freude an merkwürdigen und unerklärlichen Verhaltensweisen, an schrägen und bizarren Situationen – und nicht zuletzt von der Lust am Reden über das Kranksein, am Reden überhaupt, aber auch von der Lust an Verschweigen und Verstellung.

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Stand vom 25. 11. 2002