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AUTORENPORTRAIT
LITERATURVERLAG DROSCHL |
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»Die Methoden der Dichtung hat er weiter getrieben als mancher andere, die Menge des Hervorgebrachten ist aber insofern ungefähr gleich geblieben wie bei den weniger gründlichen Kollegen, weil er den eitlen Stolz auf die Methoden weggelassen hat. Weglassen war überhaupt seine größte Kunst. ( ) Bäcker hat es verstanden, aus den Schriftzeugnissen des Holocaust Sätze, Wendungen, einzelne Wörter herauszuschneiden, an denen in der Vereinzelung blitzartig erfahrbar wird, was in dem längeren Dokument halb verschüttet bleibt, weil der bloße, vor sich hintrottende Zusammenhang und der sich fortzeugende Behördenjargon den Leser betäuben und die Wirklichkeit der Vernichtung genrehaft überpolstern. So entstanden seine Sezier-Bücher nachschrift und nachschrift 2.« (Schuldt in der ZEIT)
Paul Jandl schreibt in seinem Nachruf in der Neuen Zürcher Zeitung: »Dass das Verbrechen der Sprache den tatsächlichen Verbrechen vorausgeht, hat der 1925 in Wien geborene Heimrad Bäcker in einem wachsenden und prinzipiell unabschließbarenuvre zu zeigen versucht. Die Literatur wollte Bäcker nie zu einer Harmonisierung des Unverständlichen missbraucht sehen. Das aufklärerische Element des Schreibens wurde auch zum Programm seines Verlags. 1976 geht aus Heimrad Bäckers vormaliger Literaturzeitschrift "neue texte" der Verleag "edition neue texte" hervor, in dem vor allem die experimentelle Literatur erscheint. Gerhard Rühm, Franz Josef Czernin, Valie Export, Ernst Jandl, Friederike Mayröcker und Reinhard Priessnitz erscheinen in der "edition neue texte", die damit zum bedeutendsten österreichischen Avantgarde-Verlag der späten siebziger und frühen achziger Jahre wird. Den Epitaphen, die in den der konkreten Poesie verwandten Texten und den Photographien Heimrad Bäckers immer anwesend sind, ist mit seinem Tod ein weiterer hinzuzufügen. Eine letzte nachschrift auf den in Linz verstorbenen Schriftsteller.«
Und Ronald Pohl schreibt im STANDARD:
»Die prekäre Frage, ob das Grauen des Holocaust überhaupt "angemessen" zur Sprache gebracht werden kann - sie schleppt eine vorgegebene Auffassung davon, was Sprache darf oder zu unterlassen hat, als unsichtbare Tonnenlast mit sich. Es blieb dem großen oberösterreichischen Dichter und Verleger Heimrad Bäcker vorbehalten, die eingangs aufgeworfene Frage nicht zu umgehen, sie im Gegenteil zu radikalisieren. Mit den beiden Bänden der nachschrift brachte Bäcker etwas zur Sprache, was, mit Blick auf die Opfer, zugleich niemals hinreichend ausgedrückt werden kann:
Bäcker lud sich den obszön ausgenüchterten Jargon der Täter, das Vernichtungsrotwelsch der mit der so genannten "Endlösung" befassten Planungsmörder und Genozidbeiträger, wie eine lebenslange Bürde auf. (
) Er lud sich das Vernichtungsrotwelsch der Genozidplaner wie eine Bürde auf. Er begann, aus der vieltausendseitigen Flut der erhaltenen Holocaust-Dokumente Sprachgebilde zu formen - die weder den unmenschlichen Impetus einer vorsätzlich ausgenüchterten "Verwaltungssprache" unterschlugen, noch aber methodische Besserwisserei betrieben. (
)
Nun ist Bäcker, einen Tag vor seinem 78. Geburtstag und nur wenige Monate nach dem Tod seiner Frau, am Donnerstagabend gestorben. Einer der ganz Großen, so wird berichtet, entschlief ganz still.«
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nachschrift 1
1993, 144 Seiten, engl. Broschur, ISBN 3-85420-188-5, 15,50 |
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A-8010 Graz Alberstraße 18 Tel: +43/316/32-64-04 Fax: +43/316/32-40-71 Stand vom 17. 2. 2004 |